So schwer war's früher gegen Nordirland

Angst vor Terroranschlägen

Hans-Peter Briegel
EM-Qualifikation Nordirland – Deutschland 1:0, 17. November 1982

Mann, das war eine komplizierte EM-Quali. Die Nordiren waren physisch stark und konditionell auf höchstem Niveau. Technische Mängel machten sie mit Laufbereitschaft wett.

Mit Norman Whiteside spielte ein junges Toptalent im Angriff. Bei der WM 1982 hatten sie gegen Gastgeber Spanien gewonnen und waren in die Zwischenrunde marschiert. Wir wussten also, dass es schwer werden würde. Besonders auswärts, wo das Team von Torwartlegende Pat Jennings bei strömendem Regen im Windsor Park von 30.000 Fans frenetisch nach vorn gepeischt wurde.

Im Zentrum von Belfast hingegen herrschte gespenstische Atmosphäre. Die Auseinandersetzungen zwischen den im Nordirlandkonflikt verfeindeten Parteien erreichten gerade ihren Höhepunkt. Ständig musste man mit Terroranschlägen rechnen, deshalb durften wir vor dem Spiel auch keinen Ausflug in die City unternehmen. Vom Bus aus sahen wir, dass die Innenstadt durch riesige Tore abgeriegelt und von Militärs gesichert wurde.



Vorfreude aufs Spiel kam da nicht auf. Aber Jupp Derwall war kein Trainer, der aus Niederlagen eine Staatsaktion machte, deshalb legten wir das Match nach Abpfiff schnell zu den Akten. Wir ahnten nicht, dass auch das Rückspiel in Hamburg mit 0:1 verloren gehen würde.

Zum Glück zählte in der Qualifikation damals nicht der direkte Vergleich, sondern das Torverhältnis. So reichte uns in der letzten Quali-Partie in Saarbrücken gegen Albanien ein knapper 2:1-Sieg, um uns für die EM zu qualifizieren. Sonst wären wir zu Hause geblieben – und Nordirland wäre nach Frankreich gefahren.

Der Artikel erschien in unserem EM-Sonderheft 11FREUNDE #175. Jetzt am Kiosk, bei uns im Shop und in digitaler Version im iTunes- sowie im Google-Play-Store.