So (schlimm) ist das Bühnenprogramm von Mario Basler

Kacka und Sexismus

»Basler ballert« heißt das Bühnenprogramm von Mario Basler, das gestern in Berlin gastierte. Es ist ein Lehrstück über Egoismus, Machismus und vor allem: wirklich schrecklich. 

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»Die Berliner Gesellschaft Urania«, so heißt es, »wurde 1888 gegründet, mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zugänglich zu machen.«

Daran muss man denken, wenn man im Humboldt-Saal des Hauses sitzt, um »Basler ballert« zu verfolgen, das Bühnenprogramm von Mario Basler. Dem Ex-Kicker, der so gern besonders wäre und der doch nur der Prototyp dieses einen Schwagers ist, für den man sich schämt.



Daran muss man denken, weil man sich ziemlich schnell sicher ist, dass das hier Teil einer großen Versuchsanordnung sein muss, bei der der »Homo Mario« untersucht wird. Ein selten bräsiges Exemplar des Menschen, das stolz darauf ist, sich nicht für Argumente zu interessieren und das sich konsequent als Krönung der Schöpfung begreift, einfach, weil alle anderen es nicht sind. 

Machismo-Salven und schlüpfrige Zweideutigkeit



»90 Minuten plus Nachspielzeit«, so heißt es in der Ankündigung und schon bald hofft man, dass das mit der Nachspielzeit eine der zahlreichen hohlen Phrasen ist, die Basler so in den Abend sabbelt.



Nach etwas mehr als zehn Minuten erhebt sich dann auch der erste Zuschauer aus seinem Stuhl und drängt Richtung Ausgang. Aha, ein Anständiger, möchte man rufen. Aha, ein Abtrünniger, scheint Mario Basler zu denken. Der den Flüchtigen sogleich zur Rede stellt und erleichtert feststellen darf, dass da jemand einfach nur zur Toilette gehen will. Oder um es mit den Worten des Gastgebers zu sagen: »Ah, der muss pullern. Oder Kacka machen.« Woraufhin das Unglaubliche passiert: der Saal johlt. Jubelt. Applaudiert. Pullern, Kacka, Euphorie. Man ist ganz hin- und hergerissen über der Frage, ob man nun einen Anthropologen oder doch eher einen Psychoanalytiker rufen sollte.



Viel Zeit, dem inneren Ich zu lauschen, bleibt allerdings nicht. Denn Mario Basler hat die Damenwelt für sich entdeckt. Nachdem er kundigen Blickes erfasst hat, dass sein Publikum zu »99 Prozent aus Männern« besteht - »dabei hat Berlin so tolle Frauen« -, entdeckt er drei Damen, über die zu befinden gilt: »Genau mein Alter.« Doch das Glück des Mario Basler, es schlägt Purzelbäume an diesem Abend, denn kurz darauf tritt eine verspätete Zuschauerin in den Saal, und man will ihr zurufen: »Renn! Hau ab!« Aber wieder ist man zu spät, oder zu leise mit seiner Gedankenstimme, jedenfalls holt Mario Basler sie auf die Bühne. Platziert sie neben sich, bietet ihr Wein an, fragt nach ihrem Mann und komplimentiert so diese und jene schlüpfrige Zweideutigkeit. Nach zwei Minuten Machismo-Salven sind selbst Baslers Klischees aufgebraucht, Zeit also, zu befinden: »So, jetzt mach die Flatter zu Deine Hühner da.« Und wieder: johlen, Applaus.