So kann Stuttgart die Bayern ärgern

Baut die Mauer auf!

Der FC Bayern ist vielleicht unbesiegbar, die Meisterschaft kann aber trotzdem noch spannend werden – wenn auch der VfB heute punktet. Ein Plädoyer für den hässlichen Fußball.

imago

Eigentlich war die Sache ja längst gegessen. Zehn Spiele, 33 Tore, 30 Punkte. Der FC Bayern war so dominant in die Bundesligasaison gestartet wie noch nie zuvor. Die Mannschaft zerlegte den HSV (5:0) oder den 1. FC Köln (4:0) und schoss sogar vermeintliche Meisterschaftskonkurrenten wie den VfL Wolfsburg (5:1) und Borussia Dortmund (5:1) aus dem Stadion. Weil das alles noch nicht reichte, stellte man im Vorbeigehen noch ein paar Supersuper-Rekorde auf. Robert Lewandowski schoss gegen den BVB fünf Tore in neun Minuten, und am 24. Oktober feierte das Team seinen 1000. Bundesligasieg.
 
Man hatte sich sich damit abgefunden, dass der FC Bayern ohne Punktverlust Meister wird.

»Man denkt, es geht nicht defensiver«
 
Aber dann kam Frankfurt. Die Hessen sind momentan nicht gerade in der Form ihres Lebens. Vor zwei Wochen wurde das Team noch von Borussia Mönchengladbach 1:5 vermöbelt, eine Woche zuvor setzte es eine 0:2-Pleite in Ingolstadt.

Gegen die Bayern ermauerten die Eintracht am vergangenen Freitagabend ein Remis, und die Freude war darüber so groß, dass Torhüter Lukas Hradecky noch vor der Kabine Freibier für alle forderte. Es war eines von diesen Unentschieden, das sich für die eine Mannschaft wie ein Sieg anfühlt – und für die andere wie eine Niederlage. 0:0 gewonnen.
 
Und eigentlich war es sogar mehr. Denn wenn es nach den Spielern des FC Bayern ging, bedeutete dieses 0:0 auch eine Niederlage für das Spiel an sich.

»Jedes Wochenende steht man da und man denkt, es geht nicht defensiver«, sagte etwa Philipp Lahm. »Und dann kommt Frankfurt und verteidigt mit noch mehr Spielern.«

»Das ist kein Fußball«
 
Auch seine Mitspieler waren eifrig dabei, den Schuldigen für den Punktverlust zu finden. Das war nicht etwa Robert Lewandowski, der in der 81. Minute aufs Tor zulief und aus 15 Metern versemmelte. Nein, das waren die Frankfurter. Jerome Boateng fragte sich, ob so ein destruktives Spiel »schön für den Fußball« sei. Und Arturo Vidal legte sich fest: »Das ist kein Fußball.«
 
Nun könnte man antworten, dass der FC Bayern seit geraumer Zeit auch keinen Fußball spielt, jedenfalls nicht den, den die restlichen Teams der Liga spielen. Aber das ist eine andere Geschichte. Was nach solchen Spielen eher verwundert, ist der Verweis auf die Schönheit des Spiels – man ist sich dabei recht sicher, dass Defensive und Zerstörung nicht dazu gehörten.