So hätte die ominöse Fifa-Gala 2006 ausgesehen

Vielen Dank: 13.000 Fußbälle für die Helfer

Das Spielfeld wiederum sollte zu einem riesigen LED-Bildschirm umgewandelt werden, um dort legendäre Fußballszenen einzuspielen, aber auch, um den Rasen endlich mal aus seiner Opferrolle als stets getretenes Geläuf herauszuholen und ihn zurückschlagen zu lassen. Und zwar beim »Surreal Football« mit flexiblen Linien und loslaufenden Toren.

Aus der Stille: Bob Dylan

Bei der folgenden offiziellen Fifa-Zeremonie, zu der André Heller sämtliche sechs damals lebenden Damen und Herren Friedensnobelpreisträger begrüßen wollte, sollte ein Megaglobus durchs das Stadion fliegen und sich dabei allmählich in einen Fußball mit integriertem WM-Pokal verwandeln. Den Hammer hatte man sich aber für den Abschluss der von Peter Gabriel komponierten dreißigminütigen World Music-Revue mit 1500 Percussionisten und Tausenden Tänzern aufgehoben: Nach dem abrupten Ende der Trommeltanzorgie sollte aus dem tiefen Loch der Stille niemand Geringerer als Fußballfreund Bob Dylan erscheinen, um einen Song zu näseln.

Ob die Zuschauer hernach noch Aug und Ohr für den pyroumkränzten Pianisten Lang Lang und die Black Eyed Peas besessen hätten? Leider konnte man es nie erfahren, da die Crazy World Party of André Heller nun mal ausfiel. War doch der Fifa im Januar 2006 plötzlich eingefallen, dass der Rasen im Olympiastadion nicht rechtzeitig bis zum ersten Spiel verlegt werden könnte.

13.000 Duplikate

Für die 13.000 freiwilligen Darsteller der ausgefallenen WM-Gala hatte die Fifa dann noch eine Überraschung parat. Als Anerkennung für die bereits geleisteten Übungsmühen erhielten sie einen Fußball. Als wäre der zunächst versprochene offizielle WM-Ball mit dem Aufdruck »Vielen Dank!« nicht Hohn genug, ließ der arme Weltverband am Ende gar nur ein Duplikat springen, das statt 110 Euro nur 25 kostete. Viele der Beschenkten reichten den Ball voller Dankbarkeit an Ebay weiter. 700 WM-Helfer konnten sich dann aber doch noch über einen Auftritt im Olympiastadion freuen. Sie durften kostenlos zum Konzert der Rolling Stones am 21. Juli 2006, um die ungewöhnlich großen Lücken auf den Rängen zu stopfen.