So hätte die ominöse Fifa-Gala 2006 ausgesehen

»Als würde man Maradona, Cruyff und Pelé zusammen spielen lassen«

Zur Begründung verwies man auf das Dream Team, das der Österreicher André Heller als verantwortlicher künstlerischer Leiter um sich geschart hatte. Dazu zählten der Regisseur der Inszenierung Philippe Decouflé (der unter anderem Musikvideos für New Order drehte), der Bühnenarchitekt Mark Fisher (der für Pink Floyd  und Rolling Stones designte) sowie der zuständige Musikregisseur Peter Gabriel. Der Ex-Genesis-Frontmann wollte zusammen mit Klangtüftler Brian Eno (Ex-Roxy Music) auch die Titelmusik der Gala komponieren.

Wowereit befürchtete gar Engpässe bei der Kartenvergabe

Vermutlich kannte der Präsident des Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, nicht ein Soloalbum von Brian Eno, trotzdem war er sofort begeistert: »Das ist, als würde man Maradona, Pelé, Johan Cruyff und Di Stefano in einer Mannschaft zusammen spielen lassen. Ich glaube wir können uns alle auf ein großartiges Fest freuen.« Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit befiel prompt die Angst, »dass die Kartenkontingente nicht ausreichen werden«.


(Bild: Privat)

Die Angst wurde ihm rasch genommen, denn die bis zu 750 Euro teuren Tickets fanden zunächst nur wenige Käufer. Vielleicht, weil sich viele Leute unter Hellers Ankündigung eines »durchinszenierten und durchkomponierten Stadion-Bühnen-Ereignisses« wenig vorstellen konnten. Als der Österreicher die Katze aus dem Sack ließ und die bis dato bescheidenen Ticketverkäufe (nur 7000) womöglich nach oben geschnellt wären, war es zu spät. Die Fifa hatte die Veranstaltung, mit der sie eine Tradition im Stile der Eröffnungsgalas Olympischer Spiele begründen wollte, abgesagt.

Roboterarmee, Richard Wagner, der große Diktator

Dadurch scheint der Fußballwelt tatsächlich etwas Einmaliges entgangen zu sein, wenn man den Medienberichten über das nicht realisierte Drehbuch glaubt. Demnach sollte die ausgefallene Show in etwa so ablaufen: Nachdem Starsopranistin Jessye Norman die abendliche 90-Minuten-Gala als 16 Meter große Riesin mit einer Arie aus Richard Wagners »Tannhäuser« eingeleitet hätte, wollte man einen Exkurs in die deutsche Geschichte unternehmen und allerlei Skulpturen von Figuren (Ludwig II., Richard Wagner, Struwwelpeter, Heino), aber auch einer Roboterarmee mit Monitorköpfen (mit dem Bildnis von Charlie Chaplin als »Der große Diktator«) aufmarschieren lassen, unterlegt von Marlene-Dietrich-Musik.