So feiert Finnland die EM-Qualifikation

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Mit einem 3:0 über Liechtenstein hat sich Finnland im 33. Anlauf erstmals für ein großes Turnier qualifiziert. Logisch, dass Helsinki danach Kopf stand. Unser Autor war mittendrin. Ein Erlebnisbericht.

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Als ich am Nachmittag des 15. November auf der Landebahn des Flughafens Helsinki-Vantaa aufsetze, strahlt die Sonne am Himmel über der finnischen Hauptstadt. Die Tage zuvor waren eher verregnet, doch heute erwartet mich richtiges Kaiserwetter zum größten Fußballfest in der Geschichte des nordeuropäischen Landes.

Da ich selbst halber Finne bin, ist es für mich ein ganz besonderer Tag. Seit feststand, dass die über all die Jahrzehnte so sehnlichst herbeigewünschte Qualifikation für ein großes Fußballturnier an diesem Herbstabend in Helsinki festgezurrt werden könnte, fieberte ich dem Spiel der Spiele entgegen. Und nicht nur das Wetter, sondern auch der Gegner scheinen Team Suomi heute in die Karten zu spielen: Was sollte schon schiefgehen bei einem Heimspiel gegen den Fußballzwerg aus dem Fürstentum Liechtenstein? 

Dementsprechend riesig ist die Euphorie im ganzen Land. Als ich vom Hauptbahnhof in Richtung Narinkkatori laufe, treffe ich bereits auf die ersten mit Finnland-Trikots und -Schals ausgerüsteten Fans. Der Großteil von ihnen hat dasselbe Ziel wie ich. Denn auf dem zentralen Platz vor dem Einkaufszentrum Kamppi wird gleich der Fanmarsch zum Stadion starten. Keine Frage, heute liegt etwas Großes in der Luft. Etwas Großartiges!

Der größte Fanmarsch der finnischen Fußballgeschichte

Auf dem Narinkkatori erwartet mich bereits Torsten aus Kassel mit Grillwurst und einem kühlen Bier. Er folgte vor ein paar Jahren seinem fußballspielenden Sohn Calvin, der beim Drittligisten Mikkelin Kissat unter Vertrag steht, in den hohen Norden. Und möchte hier mittlerweile nicht mehr weg. Nachdem ich dem finnischen Rundfunk spontan ein Interview geben darf, gesellt sich auch noch Calle aus Stockholm zu uns. Der Schwede hat eine finnische Freundin, die ihn offenkundig so sehr für Suomi begeistern konnte, dass er lieber hier dabei ist, als das Spiel seiner zeitgleich in Rumänien antretenden Landsleute zu verfolgen.

Der Platz füllt sich nach und nach mit immer mehr Fans und schließlich beginnt der etwas erhöht positionierte Capo die Meute mit diversen Anfeuerungsrufen auf den Marsch einzustimmen. Erste Pyrotechnik kommt zum Einsatz, weitere soll im Laufe des Fußmarsches zur Telia 5G Areena im Stadtteil Töölö folgen, an dem laut Angaben des Fanclubs der Nationalmannschaft, SMJK, etwa 1.500 Menschen teilnehmen.

Foto: René Schwarz

Schließlich setzt sich der Tross in Bewegung. Aus allen Ecken strömen weitere Finnen dazu. Über Helsinkis Haupteinfallstraße Mannerheimintie schiebt sich die sichtlich euphorisierte Karawane voran. Immer wieder wird Halt gemacht und laute Fangesänge schallen durch die finnische Hauptstadt. Mittlerweile ist es dunkel geworden, neben den Straßenlaternen erleuchten bengalische Feuer und Raketen unseren Weg. Dabei bleibt alles zu hundert Prozent friedlich.