Skandal-Profi Serge Aurier

»Er ist eine Schwuchtel«

Warum Fußballer heute keine ungefilterten Meinungen mehr von sich geben dürfen? Nun, der Fall des Parisers Serge Aurier hat bewiesen, warum.

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Vielleicht wissen das ja gar nicht viele Menschen, aber wer im Profifußball einen Profifußballer interviewen möchte, der muss sein Interview erst durch die Autorisierung von Profi-Medienmenschen des jeweiligen Profiklubs bringen. Das alles nennt man dann »professionelles Verhalten«.

Die riesengroßen Bügeleisen

Solche Autorisierungen nehmen zum Teil recht krude Formen an. Man darf sich manche (nicht alle!) dieser Profi-Medienmenschen wie ein riesengroßes Bügeleisen vorstellen. So glätten und dampfen sie ein vielleicht relativ aussagekräftiges Interview zu einem erstaunlich belanglosen Antwortenmischmasch zusammen, was (Print)Journalisten dazu bringt, die Fäuste in der Hosentasche zu ballen. In der Faust ein bedauernswertes  Aufnahmegerät, das den so wunderbar unverfälschten Original-Wortlaut des Interviewten enthält.

Und deshalb sollte man sich eigentlich bei Serge Aurier bedanken. Der (ehemalige) Abwehrspieler des heutigen Achtelfinal-Teilnehmers Paris Saint-Germain hatte vor wenigen Tagen Langeweile. Ganz und gar unprofessionell lümmelte Aurier da auf einem Sofa und ließ sich von seinem Kumpel Mamadou Doucouré, einem früheren französischen Jugendnationalspieler (im VfB-Stuttgart-Trikot!) Fragen von Fans und Usern vorlesen. Via Periscope, einer Video-Chat-App. 45 Minuten lang. Kein Pressesprecher weit und breit, kein PR-Agent, nicht mal ein zufällig durch den Raum schlendernder Berater. Aurier und sein Kumpel waren ganz allein. Und kurz darauf wusste man wieder, warum die klugen Medien-Menschen irgendwann die Autorisierung eingeführt haben.