Sind Neymar und James die Nachfolger von Messi und Ronaldo?

Kronprinzen

Neymar und James Rodriguez gelten als Kronprinzen von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Können sie das Versprechen halten? Heute treffen sie in der Copa America aufeinander.

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Die Hörer des chilenischen Radiosenders »40 Principales« haben die Entscheidung schon getroffen. Neymar oder James Rodriguez? Brasilianer oder Kolumbianer? Bei der Abstimmung zur »Mister Copa« liegen die beiden zwar nicht auf den ersten Plätzen, aber immerhin hat James mit 465 zu 146 Stimmen deutlich mehr Fans als der brasilianische Dribbler.

Nun muss man dazu sagen, dass es bei der »Mister Copa«-Abstimmung des Radiosenders nicht um die fußballerischen Fähigkeiten der Spieler der Südamerika-Meisterschaft geht, sondern eher um die männlichen Attribute. Dementsprechend sind es auch vor allem Frauen, die dort ihre Stimme abgegeben haben. Und der große Vorsprung von James könnte daran liegen, dass von dem 23-jährigen Real-Mittelfeldspieler hübsche Bilder in Unterhosen existieren, auf denen vor allem sein durchgearbeiteter Körper zur Geltung kommt. Auch Neymar hat sich schon mal ausgezogen und für eine brasilianische Unterhosenmarke posiert. Der Erfolg war aber überschaubar.

Das Zeug zu künftigen Weltstars

Überhaupt gehören die beiden Kicker mittlerweile zu den bestbezahlten Werbeträgern unter den Fußballstars. Mit dem Wechsel von Rodriguez nach Madrid vor einem Jahr stieg sein Wert als Werbeikone auf 10,5 Millionen Euro. Der brasilianische Wunderboy streicht seit der WM rund das Doppelte ein.

Aber James und Neymar ringen nicht nur bei den Werbeverträgen miteinander. Vor allem geht es zwischen den beiden um die logische Nachfolge von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, der eine demnächst 28, der andere schon 30 Jahre alt. Der kolumbianische Kreativspieler und der brasilianische Außenstürmer, beide 23, sind die beiden Kicker mit den größten Fähigkeiten und dem höchsten Potenzial unter den Weltklassespielern. Beide haben das Zeug zu künftigen Weltstars. Beide können Spiele alleine entscheiden – und beide haben es schon bei großen Turnieren bewiesen. 

Bei Titeln hat der Brasilianer vom FC Barcelona den Kolumbianer von Real Madrid dieses Jahr allerdings abgehängt. Drei zu Null steht es da. Barca hat die spanische Liga, den Pokal und die Champions League gewonnen. James ging mit Real leer aus. Immerhin aber steht der Kolumbianer in der Top-Elf der spanischen Liga, bestimmt von der Web-Redaktion des Ligaverbands LFP. Er wird ihn nicht wirklich trösten.

Anders sähe das schon aus, wenn Rodríguez bei der Südamerika-Meisterschaft für sein Land den zweiten Titel nach 2001 holen könnte. Die Auswahl Kolumbiens wird nicht zuletzt wegen James und der außerordentlichen Performance bei der WM in Brasilien als Mitfavorit gehandelt. Und für James wäre es die Chance, dieses Jahr doch noch eine Trophäe in die Höhe zu stemmen. Aber auch hier hat im Moment der Brasilianer die Nase vorn.

Ein Spiel um Alles oder Nichts

Denn die mit Hochbegabten bestückte kolumbianische Mannschaft enttäuschte im ersten Spiel der Copa gegen Venezuela von der ersten bis zur 90. Minute. Mittelstürmer Radamel Falcao (Manchester United), James und Europa-League Sieger Carlos Bacca (FC Sevilla) zerschellten ein ums andere Mal an der weinroten Abwehrmauer aus elf Venezolanern.

Und so wird für Kolumbien die Revanche für das umstrittene WM-Viertelfinale gegen Brasilien heute nun unerwartet zu einem Spiel um Alles oder Nichts. Eine erneute Niederlage gegen die Elf von Carlos Dunga könnte das Vorrunden-Aus für die Kolumbianer bei der Copa bedeuten.

Während James nicht vermochte, seinem Team eine Richtung vorzugeben, sah man im anderen Gruppenspiel zwischen Brasilien und Peru einen Neymar, der im grün-gelb Brasiliens noch stärker und vor allem dominanter auftritt als in blau-rot bei Barcelona.