Sind Gästefans im Stadion bald verboten?

Magdeburger PR-Desaster

Mitte Februar, als die Kölner Fanszene vor dem Derby in Gladbach demonstrierte, war es Stadionverbotlern aus Köln erstmals wieder möglich, nach Gladbach zu reisen. Sie beriefen sich auf das Demonstrationsrecht. Die »Rheinische Post« schrieb vom schwierigsten Teil des Nachmittages, neun Hundertschaften der Polizei, zwei Hubschrauber und zwei Wasserwerfer sicherten den Marsch der 600 Kölner, die weit vor dem Anpfiff wieder aus Gladbach verschwanden und das Derby zu Hause in Köln verfolgten.

Die Innenminister vertagten eine Entscheidung auf die nächste Sitzung. »Wir Fans dürfen nicht aufhören auf die zehn Prozent zu pochen«, sagt Mäling. Die Bundesliga ist in Europa für stimmungsvolle Auswärtsblöcke bekannt. Man sehe ja, was passiert, wenn man die ersten Repressionen akzeptiert. Mälings Petition unterschrieben bis Anfang März 13.000 Anhänger.

Das Magdeburger PR-Desaster beschäftigt die Fanszenen weiterhin. Dass Fanszenen, die sich nicht gerade grün sind, gemeinsam argumentieren, ist ungewöhnlich.

Ist auch der Verein »gegen die Abkehr der Zehn-Prozent-Regel«?

Das Hinspiel war das erste Aufeinandertreffen seit 25 Jahren und wurde überschattet von Bengalos, Feuerwerk und einer 17-Minuten langen Spielunterbrechung. Auch außerhalb des Stadions kam es zu Auseinandersetzungen. Die Polizei erwartet für das Spiel am Samstag 1140 Anhänger der Risikokategorien B und C. Wohl auch deshalb wollten Polizei und der 1. FC Magdeburg am liebsten keine Gästefans sehen, auch wenn die FCM-Verantwortlichen immer wieder beteuerten, »grundsätzlich gegen die Abkehr der Zehn-Prozent-Regel« zu sein.

Daran zweifeln viele Beobachter. Auch deswegen, weil der 1. FC Magdeburg die Entscheidung, ob Dresdner Fans im April ins Stadion dürfen, an das Benehmen der Fans beim Spiel zwischen Magdeburg und Rostock knüpften. Nächste Woche wird es ein Treffen zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden geben.

Das Spiel am Samstag findet nun unter dem Label »Vertrauen« statt, die Hansa-Fanszene ruft zur Besonnenheit auf. Weniger ruhig sind die Dynamo-Dresden-Fans. Sie glauben an ein Machtspiel, bei dem der 1. FC Magdeburg von Anfang an darauf zielte, Gästefans für die beiden Risikospiele komplett auszuschließen. Jetzt werde die Aufstockung auf 2000 Karten als Geschenk verkauft. Das sei den Fans vorgegaukelt worden.

Bislang konnten sie nicht erreichen, dass auch Dynamo beim möglichen Aufstiegsspiel mit 2000 Fans nach Magdeburg reisen darf. Ändern würde ein Gästeverbot ohnehin nicht viel. Die Dynamo-Ultras kündigten auf ihrer Homepage an: »Wir werden trotzdem kommen. Egal wohin.«