Sieg gegen die Slowakei: Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Die Offensive

Toni Kroos
Hatte schon bessere Spiele, aber es ist doch schön, dass seine gestrige Leistung reichte, um in ein EM-Viertelfinale einzuziehen. Unumstrittener Denker, Lenker und Ballschmeichler der Mannschaft.

Mesut Özil
Verschoss einen Elfmeter. Geschenkt! Denn dieser Özil reißt sich für die Mannschaft 90 Minuten der Allerwertesten auf. Die Kritik an seiner Spielweise perlt wirkungslos an ihm ab, weil er mit diesem Spielchen mittlerweile mehr Erfahrungen hat als ein Betreiber einer Ludothek. Unersetzlich.

Thomas Müller
Hatte weniger Chancen als gegen Nordirland und wird nun vermutlich prominentes Opfer des beliebten Journalistenspiels »Hat seit xx Minuten nicht mehr getroffen«. Machte ein gutes Spiel in einer bockstarken Offensive und hatte seinen Anteil im Räume aufreißen durch Dauerbewegung. Bleibt zu hoffen, dass er sich seine Tore für die anstehenden Monsterduelle aufgespart hat und wir in 14 Tagen sagen können: »Wisst ihr noch, als Thomas Müller 363 Minuten lang auf seine erstes EM-Tor warten musste.« Hach.

Julian Draxler
Obwohl der Spiegel erst im Print und dann auch Online großen Aufwand betrieb, um Draxler den Stempel »Ewiges Talent, das es nie schaffen wird« aufzudrücken, setzte Draxler ein mächtiges Ausrufezeichen in Richtung Stammspieler. Immer anspielbar, extrem spielfreudig, mit Müller und Özil in Dauerpositionsrotation. Tor gemacht, ein weiteres ganz zauberhauft vorbereitet. Wären wir ein Ball, wir würden Draxler sofort auf Instagram folgen und mit schmauchigen Emoticons umgarnen, nur damit er uns einmal auf dem Rasen spazieren führt. Bester Mann.

Mario Gomez
Wirkt vor, während und nach dem Spiel einfach nur glücklich, dass er das alles aus nächster Nähe und eben nicht vor dem Fernseher erleben darf. Diese neue Lockerheit tut dem einst Aussortierten gut. Macht seine Tor, schafft Räume und Möglichkeiten für seine rotierenden Offensivkollegen. Gomez ist gesetzt.

Benedikt Höwedes
Kam für Boanteng, als dessen Wade sich wieder verhärtete. Wird sich vermutlich mit der Rolle des ersten Defensivwechslers begnügen müssen.

Lukas Podolski
Bekam seinen Maskottchen-Auftritt von Joachim Löw geschenkt, als das Spiel lange entschieden war. Wurde anschließend bei jeder Ballberührung gefeiert, als sei er bereits der Hauptdarsteller seines eigenen Abschiedsspiels. Wenn man es kritisch sehen möchte, dann war seine Einwechslung die Motivationsbremse für Leroy Sané und Mario Götze. Sind wir einfach mal kritisch.

Bastian Schweinsteiger
Kam für die letzten 15 Minuten für Khedira ins Spiel und fiel nicht weiter auf. Uns beschleicht das Gefühl: Wollen wir Schweinsteiger noch einmal über die 90 Minuten sehen, muss die deutsche Mannschaft noch sehr weit kommen.