Shoppen mit Mitchell Weiser

Ein Jux-Bild, das zum Skandal wurde

Spielen lässt ihn der Katalane zunächst trotzdem so gut wie nie, Weiser pendelt zwischen Profibank und Regionalligateam. Er sei einfach noch nicht so weit gewesen, urteilt Weiser heute. Erst in seinem zweiten Jahr unter Guardiola rutscht er in die Startelf. Und überzeugt. Mit seiner Technik, Schnelligkeit und Offensivdrang rückt er mehr und mehr in den Fokus.

Die Hoffnung, auch über sein Vertragsende 2015 hinaus in München zu bleiben, befeuert er durch sportliche Leistung. Doch Matthias Sammer, als hätte er einen Ruf zu verteidigen, sieht die Sache anders. »Er meinte, ich würde auch in Zukunft nicht viel spielen.« Also kein neuer Vertrag in München und stattdessen der nächste Umzug. In die Hauptstadt, nach Berlin.

Feige Beleidigungen

Dort sitzt Mitchell Weiser mit seinen Freunden mittlerweile in einem Café. Auch bei MCM, dem Laden mit den extravaganten Rucksäcken, war nichts für ihn dabei, außerdem macht shoppen durstig. Und als wäre in dem schmalen Glas in Weisers Hand kein stilles Wasser, sondern Wodka, kommt der Fußballstar allmählich ins Plaudern. Mit einer Stimme so tief, dass man sie ihm auf den ersten Blick nicht zutrauen würde, erzählt er von seinem Teamkollegen Jens Hegeler.

Der würde alles wild mixen, Cardigans mit T-Shirts drunter, dazu Baggy-Hosen. Insgesamt viel Luft nach oben, sagt Weiser, den Schalk im Nacken, der kölsche Einschlag unüberhörbar. Warum man sich, wie manche Leute in den Kommentarspalten zu Weisers Bildern, aber über seine Outfits so aufregen könne, versteht er nicht. »Wenn man sich ein bisschen darüber lustig macht, ist das kein Problem. Das ist auch manchmal witzig für mich. Aber Beleidigungen sind unnötig. Doch es passiert immer wieder, auch weil sich einige in den sozialen Netzwerken sicher fühlen. Ins Gesicht würden sie dir das nie sagen, dafür sind sie zu feige.«

Gegen die Langeweile

Allgemein sei in Deutschland vieles zu verkrampft, nicht locker genug. Die Spieler würden sich daher auch online nichts mehr trauen. Ihre Profile lassen die meisten längst von Agenturen betreuen, die posten in ihrem Namen Belanglosigkeiten und verbreiten damit in erster Linie eines: Langeweile. Weiser dagegen postet in Eigenregie. Er will unterhalten, sagt er, und er will sich von der Masse abheben.

Ob er keine Angst vor einem Shitstorm habe, wenn er Selfies mit Hornbrille oder Gang-Fotos mit schwarzer Lederhose in den Äther feuert? »Nein«, sagt Weiser. Mit Shitstorms kennt er sich ja längst aus. Vor knapp zwei Jahren veröffentlichte er aus Jux ein Bild von seinem Freund David Alaba und sich selber im Tanga. Das Foto wurde hochgejazzt zu einem mittelschweren Skandal. »Ich kann immer noch nicht begreifen, warum das mit David damals so hohe Wellen geschlagen hat. Was ich mir da teilweise anhören musste. Als hätte ich jemanden umgebracht.«