Sexismus im Sport hat tiefe Wurzeln

Wie Sportlerinnen jetzt reagieren

Der Bericht »Safe Sport« der Deutschen Sporthochschule Köln zeigt, dass sexualisierte Gewalt im deutschen Sport ein flächendeckendes Problem ist: Von den 1799 befragten Kaderathleten und Kaderathletinnen hatte ein Drittel schon einmal sexualisierte Gewalt erfahren. Bei den Athletinnen waren es sogar 48 Prozent, ein Viertel hatte schon einmal eine sexuelle Grenzverletzung erfahren.

»Coach don’t touch me«

Sarah Alexandra Scheurich, amtierende Deutsche Meisterin im Boxen, kennt das Problem. Nachdem eine Kaderkameradin Opfer sexueller Übergriffe durch einen Trainer geworden war, gründete sie die Initiative »Coach don’t touch me«. Der Vorstand des Deutschen Boxverbandes aber wollte das Thema während der Europameisterschaften diskutieren, zu einem Zeitpunkt also, in dem sie nicht vor Ort sein konnte, um für die Athleten zu sprechen. Daraufhin trat Scheurich als Athletensprecherin zurück.

Scheurich ist selbst bereits Ziel sexualisierter Grenzverletzungen geworden: Auf Instagram zeigt sie sich häufig beim Training oder beim Yoga zu Hause, manchmal auch im privaten Umfeld im Bikini. Das nehmen einige ihrer Follower anscheinend als Einladung, sie zu beschimpfen und herabzuwürdigen.

Keine Revolution

»Zu Bildern im Sport-BH bekomme ich Kommentare, dass ich eine Schlampe sei«, erzählt die 25-jährige Sportsoldatin. Andere Nutzer wünschen ihr gar den Tod. Zurzeit wird sie von einem Stalker verfolgt, der ihr von immer neuen Konten Hasskommentare schreibt. »Sehr viele Männer fühlen sich auf den Schlips getreten«, ist ihre Erklärung für den Hass. »Ihr Weltbild wird erschüttert, weil eine Frau boxt und ihre Meinung sagt.« Dabei will sie ja eigentlich nichts Revolutionäres: »Ich möchte einfach meinen Sport machen und vielleicht anderen Frauen ein Vorbild sein.«