Sexismus im Sport hat tiefe Wurzeln

Welche Rolle die Bezahlung spielt

Im internationalen Leistungssport aber spiegelt sich die deutlich gestiegene Präsenz von Frauen im Breitensport noch nicht durchgängig wider: Die Tour de France etwa weigert sich, die Frauen mehr als einen Tag lang auf die Strecke zu schicken. Der ehemalige UCI-Präsident Pat McQuaid sagte in einem Statement, Frauen-Radsport sei nicht entwickelt genug, um den Fahrerinnen einen Mindestlohn zu garantieren, wie er im Männer-Radsport Standard ist. Sein Nachfolger Brian Cookson begründete die rar gesäten Langstreckenrennen gar damit, dass Frauen auf dem Rad einfach schwächer seien.

Lohngleichstellung nicht in Sicht

Traurige Tatsache: Auf der Liste der 100 bestbezahlten Athleten 2017 steht keine einzige Frau. War im Vorjahr noch Serena Williams vertreten, fiel sie im vergangenen Jahr aufgrund ihrer Babypause durch das Raster. Durch die geringere mediale Präsenz sind Frauen schlicht unattraktiver für Sponsoren, Frauenfußballvereine können selbst Bundesligaspielerinnen oft nur einen kleinen Lohn zahlen.

Die positiven Veränderungen haben eher Symbolwirkung. Der IOC und der DOSB können keinen direkten Einfluss auf die Verbände nehmen, auch die finanziellen Zuwendungen des DOSB an die olympischen Sportverbände sind nicht zweckgebunden. Das soll sich aber im Laufe des kommenden Jahres ändern. Dennoch hängt es vor allem an den Verbänden, die wiederum von Sponsoren abhängig sind. Die World Surf League entschied sich in diesem Jahr, die Preisgelder anzugleichen, wie es auch im Tennis schon längst praktiziert wird.

Sponsoren

»Die Bereitschaft in den Verbänden muss da sein«, sagt Petra Tzschoppe vom DOSB. »Aber wenn dort komplette Männerriegen im Vorstand sitzen, wird das schwierig.« Durch die zunehmende Kommerzialisierung des Sports entscheidet aber auch der Markt, denn das große – oder kleine – Geld wird in den Klubs und durch Sponsorenverträge verdient.