Sexismus im Sport hat tiefe Wurzeln

Wie sieht es in anderen Sportarten aus?

In dieser Hinsicht sind ausgerechnet die Beachvolleyballerinnen schon ein Stück weiter: Wurde der Sport mit seinem Kurze-Höschen-Zwang oft als Beispiel für sexistische und sexualisierende Regeln herangezogen, dürfen die Spielerinnen mittlerweile auch im langärmligen Dress und mit Kopftuch antreten. Die Frage ist nur: Wollen sie das? Laura Ludwig, Olympiasiegerin im Beachvolleyball von 2016, gibt zu, dass sie und ihre Partnerin Kira Walkenhorst gezwungen sind, aus ihren braungebrannten Körpern Kapital zu schlagen. »Es ist ohnehin schon schwierig, Partner und Unterstützer zu finden«, sagte die 32-Jährige. »Da ist man gezwungen, etwa mit dem guten Aussehen zu spielen.«

Auch die Darstellung von Athleten und Athletinnen in den Medien ist ein großes Thema, formen Medien doch entscheidend, meist aber unbewusst den Blick auf die Welt. Studien zeigen, dass in der regulären Sportberichterstattung außerhalb von Olympischen Spielen Frauen weniger als 15 Prozent der Sendezeit bekommen. Außerdem existiert seit Jahrzehnten und über Landesgrenzen hinweg ein gleichbleibendes mediales Bild von Frauen und Männern im Sport, das sich erst langsam wandelt.

Die Rolle der Medien

»Frauen werden eher verniedlichend und trivialisiert dargestellt, die Erzählungen über sie beziehen sich oft auf ihre Eigenschaften außerhalb des Sports. Männer dagegen bekommen Stärke und Kraft zugeschrieben, sie dürfen auch aggressiver und intensiver jubeln«, sagt Jörg-Uwe Nieland, Kommunikationsforscher an der Universität Münster.

Ein aktuelles Beispiel: Simone Blum, amtierende Weltmeisterin im Springreiten, wurde vor ihrem Gold-Ritt bei der Reit-WM in Tyron, USA, mit folgenden Worten vorgestellt: Sie habe als »junge Deern« schon alles erlebt, sei nur Dank ihres Pferdes und ihres Ehemannes so erfolgreich. Einen männlichen Reiter hätte Kommentator Carsten Sostmeier wohl kaum so vorgestellt. »Wird sie zur Rose erblühen?«, rief der Kommentator des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vor dem letzten Sprung aus. Von blühenden Birnbäumen hätte Sostmeier bei Ludger Beerbaum wohl nicht gesprochen.

Fortschritt erkennbar

Trotzdem ist der deutsche Sport in vielen Bereichen schon wesentlich weiter als noch bei der Gründung des Deutschen Sportbunds 1950, als nicht einmal zehn Prozent der Mitglieder weiblich waren. In einigen Verbänden ist das Geschlechterverhältnis sogar gekippt: Der Deutsche Turnverband hat mittlerweile über 70 Prozent weibliche Mitglieder. Allerdings ist der Sportverband mit den zweitmeisten weiblichen Mitgliedern ausgerechnet der DFB. Fußball gilt aber immer noch als Männersport, die Frauen mussten bis vor ein paar Jahren ihr Pokalfinale noch als Vorprogramm der Männer austragen.

Mittlerweile sind 40 Prozent der Mitglieder in deutschen Sportvereinen Frauen. Von denen weigern sich einige aber immer noch beharrlich, Frauen aufzunehmen: Der Berliner Ruderclub ist bis heute ein reiner Männerverein. In anderen Sportarten ist der Ausschluss weniger explizit: Während das Springreiten traditionell eher ein Männersport war, traten in der Dressur fast ausschließlich Frauen an. Der Sieg Blums bei der WM ist damit ein Zeichen für einen langsamen Kulturwandel.