Senhor Didi, Kopfgärtner von Pelé

»Pelé hat ein riesiges Haus. Dort haben wir unsere Ruhe«

»Vor gut einer Woche habe ich ihm zuletzt die Haare geschnitten. Aber nicht hier, sondern bei ihm zu Hause«, berichtet Didi. Immer häufiger schneidet der Cabeleireiro dem Weltfußballer auswärts die Haare, »wenn wir das hier machen, spricht sich das herum wie ein Lauffeuer und das ganze Viertel steht vor meiner Tür und will Fotos und Autogramme«, sagt Didi. Eigentlich könne man dann fast Eintritt nehmen, witzelt er.

Also schließt Didi seinen Laden zu, wird von Pelés Fahrer abgeholt und zum fürstlichen Anwesen ins knapp eine Stunde entfernte Guarujá gefahren. In dem Nobelbadeort mit den herrlichen Stränden hat auch schon Michael Schumacher residiert, wenn oben in São Paulo Rennwochenende war. Auch der in Brasilien wie Pelé verehrte Ayrton Senna hatte hier Eigentum. »Pelé hat ein riesiges Haus. Dort haben wir unsere Ruhe«, sagt Didi. Und ja, der Rei habe ein großes Herz und sei äußerst großzügig. Etwa einmal im Monat sehen sich die beiden. »Wenn er mehr als tausend Tore geschossen hat, dann muss ich ihm mehr als 1000 mal die Haare geschnitten haben«, schätzt Didi, der verdammt stolz auf seinen prominentesten Kunden ist, den er längst als Freund bezeichnet.

»Jeder kennt hier Didi. Er ist eine Institution«

»Für Didi, den besten Friseur Brasiliens«, hat Pelé auf ein Plakat geschrieben, das besonders prominent im Geschäft hängt. »Jeder kennt hier Didi. Er ist eine Institution«, kann der frisch frisierte Kunde nur bestätigen, zahlt seine 25 Reais, klopft dem Friseur auf die Schulter und verlässt den Salon: »Até logo - bis bald!« Die heutige Generation des Santos FC, der in Brasilien den Ruf eines hervorragenden Ausbildungsvereins genießt, lässt sich nicht mehr so oft bei Didi blicken. »Neymar war beispielsweise noch nie hier. Aber das wäre mit seinem Hahnenkamm und den ständig wechselnden Looks wohl auch ein wenig zu kompliziert für mich«, erzählt Didi über den gerade erst nach Barcelona gewechselten Superstar. »Hoffentlich bleibt er bei all dem Geld auf dem Boden. Er hat doch auch schon hier so gut verdient«, sagt Didi, der kein Spiel seiner »Peixe« auslässt. Früher live in der Vila Belmiro, heute lieber am Fernseher. »Ist einfach bequemer. Und außerdem fehlt mir heute im Team diese Magie, die man als Zuschauer noch zu Zeiten Pelés gespürt hat«, findet Didi und fegt die Haare zusammen.

Wann der nächste Termin beim »Rei« ist, weiß er noch nicht genau. »Er ist natürlich als WM-Botschafter für Brasilien viel unterwegs. In Paris und London zum Beispiel«, weiß Senhor Didi, der sich von Pelé gerne von seinen Reisen erzählen lässt. In drei Wochen müsste eigentlich wieder das Telefon klingeln. Es kann aber genauso gut sein, dass der König plötzlich vor der Tür steht.