Sebastien Haller bei Eintracht Frankfurt

Vorbild: Zlatan?

Das Vorbild für sein Tor damals? »Zlatan Ibrahimovic macht viele solcher Tore«, sagte Haller. Der Vergleich mag einer Gotteslästerung gleichkommen – und dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten in Statur und Spielweise feststellen. In Sachen Ego bewegen sich die beiden allerdings in gänzlich unterschiedlichen Sphären. Gefragt nach dem komplettesten Stürmer der Mannschaft, wäre Zlatans Antwort klar. Haller hingegen sagt: »Luka (Jovic, Anm. der Red.). Er bringt alles mit, ist schnell, robust, technisch versiert und ein super Vollstrecker.« Jovic ist also der komplette Stürmer, Ante Rebic wird in Frankfurt verschiedenfach als Ein-Mann-Büffelherde beschrieben. Und Haller? Ist der stoische Gigant im Frankfurter Angriffsspiel.

Adi Hütter sagt: »Sebastien ist physisch sehr stark und brandgefährlich. Er kann die Bälle super festmachen und ist ein ganz anderer Spielertyp als Jovic oder Rebic.« Während die anderen beiden in wechselnder Besetzung oder gleichzeitig um ihn herumwirbeln, erledigt Haller stoisch und konstant seinen Job. In der Bundesliga verpasste er bislang nur 98 Minuten. Er ist nicht nur Toptorschütze und -scorer, sondern gewinnt auch Liga weit die meisten Zweikämpfe und Kopfballduelle. Es ist ein Klischee, doch Haller ist einer dieser Spieler, die seine Mitspieler besser machen, weil sie für sie arbeiten und nicht für sich. Gerade das quasi blinde Verständnis zwischen Jovic und Haller wurde beim 7:1 gegen Fortuna Düsseldorf deutlich. 

Betonung auf »unter anderem«

Vergessen die Zeiten, in denen Eintracht Frankfurt auf die so wichtigen aber immer rarer gesäten Tore des Fußballgotts Alex Meier hoffen musste. Vergessen auch die Zeiten von »Bruda, schlag den Ball lang«. Denn Adi Hütter hat den physischen Fußball von Niko Kovac weiterentwickelt, ihn um ein passendes Offensivkonzept erweitert und spielerische Lösungen implementiert.

Das eröffnet Haller neue Möglichkeiten. Auch wenn er immer noch sagt: »Mein Job ist es, viel zu arbeiten, Bälle zu halten und Räume frei zu schaffen.« Alles korrekt, doch die Betonung liegt auf »unter anderem«. In der Frankfurter Post-Kovac-Ära beschränkt sich Hallers Rolle nicht mehr darauf, Langholz aus der Luft zu fangen. Dadurch wird erst seine ganze Klasse deutlich, von der filigranen Annahme über den genialen Doppelpass bis zum brachialen Abschluss. Egal ob nun mit Jovic, Rebic oder beiden gleichzeitig an seiner Seite.