Sebastian Rudy über Europapokalträume und die DFB-Nominierung

»Nach der Flanke auf Müller lief es«

Spielt die TSG Hoffenheim nächste Saison international? Wie war es vor 70.000 Zuschauern gegen Schottland? Wird Jogi Löw wieder anrufen? Ein Gespräch mit Sebastian Rudy – einen Tag vor der Rückkehr zu seinem Ex-Klub VfB Stuttgart.

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Sebastian Rudy, hat Thomas Müller schon einen ausgegeben?
(Lacht) Wegen meiner Torvorlage im Länderspiel?

Genau.
Nein. Das muss Thomas aber auch nicht. Tore vorbereiten ist Teil meines Jobs.

Vor gut zwei Wochen standen Sie gegen Schottland plötzlich in der Startaufstellung der DFB-Elf. Wir waren ziemlich überrascht. Sie auch?
Sagen wir mal so: Als ich nachnominiert wurde, habe ich nicht unbedingt damit gerechnet, schon gegen Schottland von Beginn an spielen zu dürfen. Deswegen war ich überrascht, als der Trainer mir einen Tag vor dem Spiel Bescheid gegeben hat, dass er mich auf der Position rechts hinten testen will.

Waren Sie im Vorfeld eigentlich nervös wegen der ungewohnten Rolle?
Natürlich macht man sich mal kurz Gedanken, wenn man auf einer Position eingesetzt wird, die man in der Bundesliga noch nie gespielt hat. Ich hatte aber einen Tag Zeit mich darauf einzustellen, am Spieltag habe ich dann nur noch pure Vorfreude gespürt.

Wie war's denn auf dem Platz?
Am Anfang war es etwas schwierig reinzukommen. Ich habe dann zunächst versucht, mir über einfache Pässe, einige Zweikämpfe und gute Bewegungen das nötige Selbstvertrauen zu holen. Spätestens mit der Flanke auf Müller zum 1:0 lief es dann aber. Danach habe ich es ganz ordentlich gelöst – glaube ich zumindest. (lacht)

Trotz der neuen Position im DFB-Dress: Sehen Sie sich nicht eher im zentralen Mittelfeld?
Eigentlich bin ich im Mittelfeld Zuhause, das stimmt. Es ist ja aber nicht von Nachteil, wenn man flexibel einsetzbar ist. Ich glaube schon, dass man als defensiver Mittelfeldspieler auch gut auf der Außenverteidigerposition spielen kann.

Kommen wir zum aktuellen Geschehen bei Ihrem Verein, der TSG Hoffenheim. Drei Spiele, fünf Punkte, Platz acht. Sind Sie zufrieden?
Das ist ganz okay, aber nicht überragend. Nach dem guten Start gegen Augsburg haben wir zuletzt zweimal 1:1 gespielt. Ich glaube, dass es nun besonders wichtig ist, schnell Konstanz in unser Spiel reinzubekommen. Und das geht natürlich am besten mit einem Sieg am Wochenende.

Da wartet Ihr Ex-Klub, der VfB Stuttgart.
Das ist für mich natürlich ein besonderes Spiel, und es wird auch immer ein solches bleiben. Ich habe beim VfB sieben Jahre lang gespielt und dort meine fußballerische Ausbildung genossen. Dafür bin ich dem Klub dankbar. Ohne den VfB wäre ich heute wahrscheinlich kein Bundesligaspieler.

Momentan läuft es allerdings nicht so richtig in Stuttgart. Woran hapert's bei Ihrem Ex-Klub?
Das kann ich nicht beurteilen. Ich spiele jetzt bereits seit vier Jahren in Hoffenheim, seitdem hat sich so viel verändert. Eine Ferndiagnose macht da überhaupt keinen Sinn. Meine Vergangenheit beim VfB sollte bei diesem Spiel aber ohnehin keine Rolle spielen. Wir treffen am Wochenende auf einen von 17 Gegnern, gegen den wir drei Punkte holen wollen.

Einige Experten sehen in Hoffenheim 2014/15 einen möglichen Kandidaten für die Europapokalplätze. Trauen Sie sich diese Rolle zu?
Da wird viel zu viel geredet. Wir sollten uns nicht in irgendwelche Wünsche verrennen, die nicht real sind. Für uns geht es darum von Spiel zu Spiel zu denken. Klingt langweilig, ist aber so.

Aber wer gerade erst vor 70.000 Zuschauern im EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland von Anfang an spielt, der hat doch bestimmt besondere Lust auf Europa bekommen.
Das ist definitiv ein Traum, den ich mir erfüllen will. Sie dürfen aber nicht vergessen: Wir bestreiten am Wochenende erst den vierten Spieltag. Für Wünsche und Träumereien ist es definitiv viel zu früh.