Schwedischer Klub mit einzigartigem Geschäftsmodell

Erstklassig dank Secondhand-Shop

Als Varbergs BoIS vor zwei Jahren vor dem Ruin stand, machte der schwedische Zweitligist alles zu Geld, was irgendwo rumlag. Nun marschiert der Verein Richtung erste Liga.

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Geht nicht? Gibt's nicht! Dachten sich die Verantwortlichen von Varbergs BoIS vor knapp zwei Jahren. Und taten es einfach. Unweit des Stadions eröffneten sie ein Geschäft, in dem es bis heute (fast) alles zu kaufen gibt: Spielzeug, Haushaltswaren, Werkzeug, Gartenbedarf, Bekleidung, DVDs, Sportartikel, Bücher und Fahrräder. Manchmal auch Möbel. Das Sortiment wechselt ständig, viele der Artikel sind Unikate. Denn das Geschäft des südschwedischen Zweitligisten ist ein lupenreiner Secondhand-Shop. Angeboten wird, was die Leute so bringen – vorausgesetzt, die Ware ist noch einigermaßen gut erhalten.

Auf den Spott der Konkurrenz pfiffen sie damals bei Varbergs BoIS, denn ihr Verein hatte eh nichts mehr zu verlieren. Extrem runter gewirtschaftet, schwerstens verschuldet und sportlich nahezu ausgeblutet, taumelte der 1925 gegründete Traditionsklub der Drittklassigkeit entgegen. Und damit wohl auch seinem endgültigen Verschwinden. Knapp 400.000 Euro betrug die Schuldenlast, 250.000 davon waren kurzfristig fällig – für einen schwedischen Zweitligisten ein wahrer Berg. »Hätten wir die wirtschaftliche Situation damals nicht bereinigt, wäre der Verein wahrscheinlich liquidiert worden«, offenbart der Vereinschef Lars Karlsson rückblickend in der Zeitung »Expressen«.

Doch dann geschah das Wunder von Varberg: Unzählige Menschen, die meisten waren Fans und Freunde des Vereins, durchstöberten ihre Garagen und Dachböden. Ihre Schuhschränke und ihre Keller. Alte Kleiderkammern und staubige Kartons mit ausrangierten Schallplatten oder CDs. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, brachten sie zum Secondhand-Shop von Varbergs BoIS, damit der Verein die Sachen versilbern konnte. Anfangs kam man dort bei der Warenannahme und Preisauszeichnung gar nicht nach.

»Von Bekleidung über Kochgeschirr bis hin zu Weißwaren und Elektronikgeräten«

Viele BoIS-Fans boten sich sogar als Verkaufskräfte an. Ehrenamtlich, versteht sich. Personal wurde jede Menge gebraucht, denn der Secondhand-Shop lief ausgesprochen gut an. Und lief und lief und läuft. Bis heute. Die Menschen aus der Stadt und aus der näheren Umgebung spenden und kaufen so viel, dass der Verein seine Geschäftsräume vor kurzem sogar vergrößern musste.

Heute steht dort, in einem schlichten Industriegebiet unweit des Stadions, ein richtiges kleines Warenhaus. »Hier finden Sie das meiste«, wirbt der Verein auf seiner Homepage, »von Bekleidung über Kochgeschirr bis hin zu Weißwaren und Elektronikgeräten.« Die Öffnungszeiten: Mittwochs, 14 bis 18 Uhr und samstags, 9.30 Uhr bis 13 Uhr. Vor Heimspielen bleibt das Geschäft manchmal länger geöffnet.