Schwedischer Klub kämpft vergeblich um Entschädigung

Keine Kohle für Ibrahimovic

Seit Jahren wartet der BK Flagg auf rund 46.000 Euro Ausbildungsentschädigung von Paris St. Germain. Doch die Fifa und der schwedische Verband lassen den Amateurklub einfach im Stich.

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Anders Henriksson gibt sich keinen Illusionen hin. »Es ist über vier Jahre her, dass das Ganze ins Rollen kam«, seufzt er. Herausgekommen sei nichts – nur Zeitverschwendung. Und natürlich Enttäuschung über die Verbände, die in Henrikssons Augen meilenweit von der Fußball-Basis entrückt sind. »Wir sind nur ein kleiner, ideeller Verein«, klagt der Vizepräsident des BK Flagg. »Wir haben genug damit zu tun, Trainer für unsere Jugendteams zu finden. Wir haben keine Zeit, große Prozesse zu führen.«

Der BK Flagg, für den einst Zlatan Ibrahimovic spielte, fordert rund 46.000 Euro Ausbildungsentschädigung von Paris St. Germain. Das Geld steht dem Malmöer Vorstadtklub aus Ibrahimovics Transfer von Mailand nach Paris (2012) zu – weil der Torjäger als Zwölfjähriger ein halbes Jahr für Flagg gestürmt hatte. Das hat Ibrahimovic selbst gegenüber dem schwedischen Verband SvFF und der FIFA bestätigt.

»Kleinen Vereinen hilft keiner«

Der BK Flagg aber wartet noch immer. Besser gesagt, wartet niemand mehr. »Wir haben aufgegeben«, winkt Henriksson ab. »Kleinen Vereinen wie uns hilft keiner.« Dabei sind die 2005 in Kraft getretenen FIFA-Bestimmungen zur Ausbildungsentschädigung glasklar: Fünf Prozent einer Ablöse fließen an den Klub, bei dem der transferierte Spieler ausgebildet wurde. Hat er im Alter zwischen zwölf und 23 Jahren für mehrere Vereine gespielt, ist die Ausbildungsentschädigung unter diesen aufzuteilen – anteilig, nach Dauer der Zugehörigkeit.

Im Falle des Ibrahimovic-Transfers von Milan zu PSG hat bislang nur dessen erster Profiklub Malmö FF eine Entschädigung erhalten. Um den Rest streiten drei Vereine: Ibrahimovics allererster Verein FBK Balkan, der BK Flagg und der FC Rosengard. Alle drei behaupten, der Spieler sei mit zwölf Jahren bei ihnen aktiv gewesen, was in Summe nicht stimmen kann. Entsprechende Spielberichtsbögen kann kein Klub mehr vorweisen. Und weil weder die FIFA, noch der schwedische Verband SvFF den Sachverhalt klären kann oder will, schauen alle in die Röhre.

Der Vizepräsident marschierte zur Villa des Superstars 

Für den BK Flagg ist das besonders bitter, denn Ibrahimovic himself hat – wie erwähnt – persönlich ausgesagt, dass er als Zwölfjähriger dort spielte. Das hat der Klub der Courage von Anders Henriksson, dem BK Flagg-Vize, zu verdanken. Der marschierte im Sommer 2015 zur Malmöer Villa des Superstars und läutete. Ibrashimovics Lebensgefährtin Helena Seger bedauerte: Zlatan sei im Angelurlaub. Doch sie versprach, die Angelegenheit vorzutragen. Und tatsächlich: Ibrahimovic bestätigte in einem Schreiben an die FIFA und die SvFF, dass er im fraglichen Zeitraum für den BK Flagg spielte. Damit schien alles geritzt.

War es aber nicht.

Dabei kann Henriksson sogar die Statistik des Ausnahmestürmers aus dessen sechs Monaten beim BK Flagg runterbeten: Der junge Zlatan spielte zwar nur fünf Mal für den Klub, erzielte dabei jedoch 15 Treffer. Sein damaliger Trainer Mikael Jonasson bestätigt die Zahlen: »Ich weiß es auch deshalb so genau, weil Zlatan zum sechsten und letzten Spiel einfach nicht erschien und ich ihn verflucht habe.«