Schwedische Fans bedanken sich bei Obdachlosen

Zu Gast bei Freunden

Weil polnische Fußballfans ihren schwedischen Gästen am Rand der U21-EM etwas nah auf die Pelle rückten, schlichtete ein Obdachloser. Die Schweden bedankten sich auf besondere Weise

Screenshot aftonbladet.se

Die Welt zu Gast bei Freunden, war zwar nur Motto der Fußball-WM 2006, der Kerngedanke gilt aber eigentlich für jedes internationale Turnier. Gemeinsam ins Stadion gehen, vielleicht ein Bier zusammen trinken und etwas über die Kultur des Gegenüber lernen. Das funktioniert beim Auswärtsspiel, bei der Weltmeisterschaft und in der Regel auch bei einer U21-EM.

In polnischen Krakau befinden sich daher gerade über hundert Schweden, die ihrer Nachwuchsnationalmannschaft hinterhergereist sind. Und auch wenn der sportliche Wert des Turniers zweifelhaft sein mag, was funktioniert ist: Stadion, Bier, Kultur.

See the lonely man there on the corner,
What he's waiting for, I don't know.

Als die schwedischen Fans am Abend vor dem ersten Spiel gegen England in der Innenstadt herumgeisterten - vielleicht war das letzte Bier auch schon zu Kopf gestiegen - und auf polnische Anhänger trafen - ebenfalls Bier und Kopf - wurde die Stimmung plötzlich ungemütlich. Aus dem Austausch von Kultur drohte ein intensiver Austausch von Fäusten zu werden. Sprüche, Schubsereien, erste Schläge.

Bis ein polnischer Obdachloser, ein Mann an der Ecke, der sich im Laufe des Tages bereits zu den Schweden gesellt hatte, zwischen die Fronten trat - und die Situation beruhigte. »Er war den ganzen Tag bei uns. Er ist ein Held«, sagte Marcus Ewelind, einer der schwedischen Anhänger, der Zeitung Aftonbladet.

But he waits everyday now.
He's just waiting for something to show.

Statt im Krankenhaus verbrachten die Schweden ihre Nacht im Hotel. Ohne ihren Retter zu vergessen. »Wir sahen, dass er nur auf Strümpfen durch die Straßen ging. Das ist einfach nicht in Ordnung«, sagte Ewelind und organisierte mit seinen Freunden ein schwedisches Trikot, einen Pullover und neue Schuhe. Ewelind: »Das ist für uns für eine Kleinigkeit, aber für ihn sehr sehr viel.«

Dass die Schuhe anfangs nicht passten? Geschenkt! Neue Schuhe? Ebenfalls geschenkt, von den Schweden. Und die legten kurzerhand auch noch ein Ticket für das Spiel gegen die Briten drauf. »Er hat sich das verdient«, sagte Ewelind vor den schwedischen Kameras, nachdem sie das Spiel gemeinsam in der Arena von Krakau verfolgt hatten. In seinen Armen hielt er den völlig aufgelösten, freudentränenweinenden Obdachlosen. »Das ist gutes Karma«.