Schwatzgelb-Helme beim VFL

Und die Mission geht weiter

Nachdem Trunkenbold Ernesto Middendorp schon erfolgreich aus Bielefeld vertrieben wurde, möchte die Mannschaft von Borussia Dortmund nun Wolfsburg von ihrem Diktator Felipe Magath befreien. Auf geht's, ihr Schwatzgelb-Helme. imago images
Die tapferen Jungs von Lehrmeister Doll haben sich aufgemacht, Unsympathen und Krawallbrüder aus der Liga zu jagen. Bei erfolgreicher Mission gibt es drei Punkte für den BVB. Enduring Freedom -– auf geht's, ihr Schwatzgelb-Helme.

Dunkle Wolken, unangenehmer Nieselregen. Menschen laufen gebückt umher, in grüner Einheitskleidung. Sie starren aus leeren Augenpaaren gegen graue Hauswände. Die Welt sieht trostlos aus in Wolfsburg. Unter dem Joch von Diktator Magath hat sich vieles verändert: Kinder müssen in der Schule ganztägig mit Medizinbällen schuften, Lern- und Wissensfächer wurden komplett abgeschafft. Ihre Eltern dürfen nur noch Kräutertee trinken und malochen am Fließband des nahe gelegenen Automobilwerks. Es ist ein sicherer Job - so lange der Plan eingehalten wird. Die verschiedenen Modelle wurden abgeschafft, es wird nur noch ein Auto produziert. Damit möchte Diktator Felipe Magath in die Champions League fahren.

Seine Schergen, die stillschweigend zuließen, dass er an die Macht kam, nehmen das Ganze mit bitterer Miene zur Kenntnis. Sicher sind sie sich nicht mehr, ob sie damals im Sommer bei den Verhandlungen alles richtig gemacht haben. Denn sie haben einen Alleinherrscher installiert. Haben Sie besoffen von der Aussicht auf Erfolg ihre Seele verkauft? Hat Wolfsburg überhaupt eine Seele? Auf jeden Fall sind sie selbst zu Grüßaugusten und Klatschvieh mutiert. Ein erstes Opfer haben die Wolfsburger schon zu beklagen: Simon de Jentzschahu wurde wegen Ungehorsams und Nichtabwehr eines Kopfballs in Schutzhaft genommen.

Im Königreich Dortmund dagegen strahlt die Sonne. Auf einer saftig-grünen Wiese toben etwa 20 gelbschwarz gekleidete, fröhlich lachende Sympathen. „Mladen, schieß“, ruft Floriano und sieht zu, wie der kroatische Zauberlehrling das Leder aufs Tor von Romano pflastert. Der schmeißt sich, fischt die Kugel aus dem Winkel. „So einfach gehtŽs nicht“, lacht der Torwart des BVB. Sebastiano macht Stretchübungen und sieht dabei einem Schmetterling zu, wie der im Sonnenschein umher fliegt.

Tinga, Leonardo, Diego und Nelson spielen Zwei gegen Zwei im Sand des Dortmunder Strandes. Lässig sieht das aus - südamerikanisch eben. Roberto, Martini und Marcus liegen auf dem Rasen, entspannen in der warmen Sonne. Kuba pflückt Obst von den Bäumen, reicht es seinen Abwehrkollegen. Zufrieden steht Lehrmeister Tomassino Doll auf einer Anhöhe und sieht dem Ganzen zusammen mit dem gutherzigen König und Präsidenten Reinhardo Rauballo zu. Kanzler Akasius Watzke ruft: „Toll, wie sich alles entwickelt hat, seit dem großen Duell mit den Meistern aus Stuttgart. Hier bewegt sich was im Stadtstaat Dortmund.“ Die Dortmunder Bürger klatschen begeistert Beifall.

In Wolfsburg dagegen herrscht Stillstand. Diktator Felipe versuchte, unter der Führung einer Rapper-Elite bestehend aus Dynamite Dejagah, Marcelin-Yo, Fire Baier, MC Quiroga und Senor Costa (siehe aktueller Fankatalog des VfL) Spielfreude vorzutäuschen und eine Armee aufzustellen, die die Bundesliga unterjochen sollte. Doch der Plan geht bisher nicht auf. Denn: Jegliche Lust auf Fußball wird vom spaßbefreiten Diktator selbst im Keim erstickt. Wer nicht mitzieht, landet im Knast (sprich: Ersatzbank). Die Furcht vor Repressalien ist groß. Niemand schreit empört auf, wenn Marcelin-Yo lustlos über den Platz trabt, keiner beschwert sich, wenn MC Quiroga die gegnerischen Stürmer widerstandslos vorbeiziehen lässt. Stattdessen reichen sie dem Diktator zitternd den Tee, bevor der wieder zu einer seiner gefürchteten Wutreden ansetzt. Eine unheilvolle Mischung aus Angst und vorauseilendem Gehorsam herrscht in Wolfsburg.

Und wenn sich ein Volk nicht selbst von seinem Diktator befreien kann, dann müssen die Schwatzgelb-Helme ran. In schicken Uniformen steht die fußballspielende Friedenstruppe auf der Rehling der MS August Lenz. „Schade, dass ich nicht mit kann“, ruft der verletzte Alexandro hinauf und winkt seinen Kameraden mit seinen Krücken zum Abschied.

Zehntausende Menschen jubeln der Befreiertruppe am Dortmunder Hafen zu. Eine Musikkapelle spielt BVB-Hymnen, Kinder wedeln mit ihren Schals, Frauen werfen Blumen, Männer stoßen mit Bierkelchen auf die hoffentlich erfolgreiche Mission an. „Ein tolles Bild, diese vielen Menschen“, sagt Sebastiano. „Sie sind so voller Hoffnung auf Gerechtigkeit, wir dürfen sie nicht enttäuschen“. Nelson nickt und in Gedanken spielt sich in seinem Kopf immer wieder eine Szene ab: Wie er in der letzten Saison im damals noch freien Wolfsburg den 2:0-Siegtreffer für die Schwatzgelben erzielte.

Romano ruft seine Mannschaftskameraden zusammen. „Ihr wisst, worum es geht.“ Er blickt in die Augen der Schwatzgelben. Er erkennt: Ja, sie wissen es. In diesem Moment legt die MS August Lenz unter aufbrausendem Jubel des Volkes ab. Kurz danach sticht auch der Seekreuzer TU mit tausenden schwatzgelben Missionshelfern Richtung Wolfsburg in See. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Diktator Felipe Magath vertreiben. Und drei Punkte mit nach Hause nehmen. Die Fußballwelt schaut auf die BVB-Friedenstruppe. Die Mission der Schwatzgelb-Helme geht weiter.