Schwarz-gelbes Pokalfinale

Die Macht im Pott

Borussia Dortmund meldete sich im Pokalfinale eindrucksvoll zurück. Zwar konnte die Mannschaft von Trainer Thomas Doll den Bayern nicht ganz das Wasser reichen, dafür gewannen ihre Fans im Olympiastadion den Stimmungsblumentopf. Schwarz-gelbes Pokalfinaleimago images
Zwei Dinge wird man von diesem Tag in Berlin in Erinnerung behalten. Den absolut falschen Termin für ein Pokalendspiel und den schwarz-gelben Anhang der Dortmunder Borussen. Was sich in Charlottenburg, an der Gedächtniskirche, auf der Fanmeile und später im Stadion abgespielt hat, kann man mit Worten kaum beschreiben. Das waren Stimmung und Ausgelassenheit pur, auf den Straßen den ganzen Tag über ein vollkommen ungleiches Kräfteverhältnis.

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Sportlich hatte Borussia Dortmund mit der 1:2-Niederlage (nach Verlängerung) zwar das Nachsehen im Berliner Olympiastadion. Auf den zugigen Rängen zwischen Mittelfeldlinie und Marathontor lief aber während der gesamten 120 Minuten das Kontrastprogramm in Schwarz-Gelb. Dort hatte der nationale Marktführer aus Süddeutschland nicht den Hauch einer Chance. Auch wenn es sportlich im Moment vielleicht nicht ganz reicht, Borussia Dortmund hat gezeigt, dass es in Deutschland immer noch einen Gegenpol zu den scheinbar übermächtigen Bayern gibt. Einen quicklebendigen Gegenpol. In Sachen Stimmung, wenn auch gerade daheim oft kritisiert, gibt es in Deutschland nichts Vergleichbares. Diese ständigen Vergleiche nerven auch langsam, packt den BVB-Anhänger die Reiselust, verweist er alle Tribünen in Deutschland deutlich in die Schranken.

Eindrucksvolle Nähe zum Trainerstab

Man hatte der Münchener Weltauswahl über weite Strecken des Spiels Paroli geboten und den Favoriten sogar in die Verlängerung gezwungen. Dort taumelte der rote Riese ziemlich auffällig, er wirkte mehrmals schwer angezählt, aber letztendlich: er fiel nicht. Das hatten nach den teilweise desaströsen Auftritten der letzten Wochen wohl die wenigsten erwartet. Thomas Doll, über dessen Ablösung bereits vor dem Spiel diskutiert und spekuliert wurde, hatte seiner Mannschaft die richtig Marschroute vorgegeben. Wer immer diese Meldungen vor dem Spiel lanciert hat, erreicht hat er damit das Gegenteil. Die Mannschaft bewies eine eindrucksvolle Nähe zum Trainerstab.

40.000 Anhänger (die waren es wohl mindestens im Stadion) feierten ihren BVB dabei ausgelassen wie fast nie zuvor. Allein diese Wechselgesänge zu Beginn der Partie waren unglaublich intensiv. Diese Stimmung sollte sich dann über 120 Minuten nicht mehr legen. Trotz Endspielniederlage und trotz sportlicher Tristesse in der Bundesliga, in der die Mannschaft nach großen Problemen und langer Talfahrt in der Rückrunde momentan lediglich im unteren Mittelfeld gelistet wird. Was war geschehen an diesem 19.04.2008 im Berliner Olympiastadion?

Als Kopie des FC Bayern

An diesem Abend der Unterschiede wurde mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, warum Borussia Dortmund in den 90er Jahren als Kopie des FC Bayern nie richtig glücklich wurde. Nie richtig glücklich werden konnte. Ein Verein, der nach fulminanten Beginn seine Start- und Ziellinie (1989) zunehmend aus den Augen verloren hat und diesen Verlust bis heute zu überwinden versucht.

Die Hauptstadt wurde aus allen Himmelsrichtungen von schwarz-gelben Anhängern überflutet. Ab und an konnte man auf den Straßen ein paar rote Farbtupfer ausfindig machen. Erst in der Nähe des Stadions konnte man einige Stunden vor Spielbeginn dann wieder auf größere Gruppen von Bayern-Fans treffen. Die Stadt im alten Zentrum West, vom Bahnhof Charlottenburg kommend, rund um den Bahnhof Zoo und die Gedächtniskirche war eigentlich komplett in schwarz-gelb getaucht.

Pokalendspiel wieder als Saisonfinale

Noch ein Wort zu diesem (kalten) Termin Mitte April. Ein Pokalfinale gehört einfach nicht mitten in die Saison. Es sollte den krönenden Abschluss einer gelungenen Spielzeit bilden. An einem Zeitpunkt, an dem letztendlich nicht einmal die Fragen von Meisterschaft und Abstieg geklärt sind, hat ein Finale nichts zu suchen. Der äußere Rahmen ist mit dem weitläufigen Berliner Olympiagelände und dem Olympiastadion seit Jahrzehnten nahezu perfekt gewählt, jetzt muss man nur wieder zum alten Termin eine Woche nach dem Ende der Saison zurückfinden. Mit etwas gutem Willen hätte man auch in diesem Jahr einen anderen, einen passenderen Termin gefunden. Da kann die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz nicht immer als Ausrede herhalten. Bleibt zu hoffen, dass der Pokal, mit dem ausgehandelten PREMIERE-Deal zur neuen Saison, ein Stück seiner alten Wertigkeit zurück bekommt.

Das Spiel selbst lebte eher von seiner Dramaturgie, von seinem wahnsinnigen Spielverlauf. An die fußballerische Klasse älterer Finalspiele konnte es zu keinem Zeitpunkt anknüpfen. Was ganz sicher in Erinnerung bleibt, ist das Drumherum auf den Rängen links und rechts vom Marathontor. Der Hunger und Einfallsreichtum im Dortmunder Lager muss ungleich größer gewesen sein. Sonst wären nicht so viele der heiß begehrten Tickets in Dortmunder Händen gelandet.