Schockstarre in Stuttgart

Angst essen Schalke auf

Um zu erklären, was sich im Spiel Stuttgart gegen Schalke ereignete, bemühten die Reporter immer wieder ein Wort: Angst. Der VfB konnte den alten Affen abschütteln, Schalke sitzt er bis auf Weiteres aud der Schulter. Schockstarre in StuttgartImago Ob ein Sieg beim VfB Stuttgart ein Befreiungsschlag gewesen wäre, muss gar nicht diskutiert werden. Der FC Schalke 04 unterlag gestern Abend mit 0:2 und erhielt nach dem am Donnerstag von Manager Andreas Müller zitierten Rückschlag einen Tiefschlag - und nicht den ersten.

[ad]

Im Vergleich zur 0:2-Niederlage gegen Manchester City hatte Fred Rutten seine Mannschaft auf einer Position umgestellt, defensiver ausgerichtet: Für Ivan Rakitic spielte Fabian Ernst. Keine Änderung gab es in der Viererkette, da Kapitän Marcelo Bordon trotz seiner Adduktoren-Probleme auflaufen konnte. Doch schon vor der Pause musste der Brasilianer passen, Benedikt Höwedes, der Spieler mit der geringsten Fehlpass-Quote in der Bundesliga, kam in der 38. Minute.

Es entwickelte sich zunächst ein müdes Fußball-Spiel, über das viele Radio-Reporter ihre Hörer regelmäßig mit zwei Worten konfrontierten: »Die Angst.« Gemeint: beide Mannschaften. Dann aber gab es doch die erste große Aufregung - verbunden mit Schalker Entsetzen. Nachdem Jermaine Jones den Pfosten getroffen hatte, musste Jefferson Farfan das 1:0 machen, doch der Peruaner schoss so schwach, dass Arthur Boka für seinen geschlagenen Torwart Jens Lehmann noch klären konnte.

Farfan verschießt Elfer

Ein Mutmacher, und die Schalker setzten nach. Wieder stand Arthur Boka im Mittelpunkt, als er Kevin Kuranyi so foulte, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark in der 16. Minute Elfmeter pfiff. Doch erneut schoss Jefferson Farfan viel zu schwach. Jens Lehmann parierte. Auch in der Folge waren es die Schalker, die Akzente setzten - um nach 29 Minuten großes Glück zu haben. Zunächst parierte Manuel Neuer klasse gegen Mario Gomez, ehe VfB-Kapitän Thomas Hitzlsperger den Nachschuss vorbeisetzte.

Halbzeit-Pfiffe in der Mercedes-Benz-Arena, vor allem aus den VfB-Blöcken, und die Schalker trotteten gefrustet in ihre Kabine, weil sie eine Pausenführung leichtfertig vergeben hatten. Diese Leichtfertigkeit war aber eher Verunsicherung, die auch bei den Stuttgartern immer wieder zu spüren und vor allem auch zu sehen war. Fehler-Fußball.

Das Schiri-Gespann und die Stuttgarter gönnten sich eine deutlich längere Pause als die Schalker. Und weil VfB-Teamchef Markus Babbel sah, dass in der Offensive nur sehr wenig passierte, brachte er einen frischen Stürmer: Cacau für Ciprian Marica. Die Stuttgarter wurden besser, zumal den Schalkern im Spiel nach vorne jegliche Ordnung fehlte. Zu viel Zufall. 60 Minuten waren gespielt, als Mario Gomez nach einem Cacau-Schuss knapp am Ball vorbeirutschte. Sieben Minuten später hätte er treffen müssen, scheiterte aber an Manuel Neuer. Eine Klasse-Parade, der jedoch eine Aktion folgte, die nicht nachzuvollziehen ist. Unmotiviert lief der 22-Jährige in der 80. Minute aus seinem Tor, und Jan Simak überlupfte ihn. 1:0 für den VfB, und Mario Gomez traf sogar noch zum 2:0. Ende. Und so bleibt es dabei, dass der letzte Schalker Sieg in Stuttgart aus dem Oktober 1999 datiert.