Schnürsenkel gegen Homophobie

»Für die Rechte von Homosexuellen aufstehen«

Auch das Regulativ des Fußball-Weltverbandes FIFA untersagt politische Statements jeglicher Art im Umfeld internationaler Turniere. Erst in der vergangenen Woche wies ein FIFA-Sprecher deutlich darauf hin, dass der Fußball »in Übereinstimmung mit den FIFA-Regeln politisch neutral sein sollte« und damit im Zusammenhang stehende Veranstaltungen »nicht von Organisationen, Spielern, Fans oder anderen Individuen als Plattform genutzt werden, um politische Statements zu teilen«. Auch Hakan Sjöstrand, Generalsekretär des schwedischen Verbandes SvFF, bremst in Sachen Schnürsenkel: »Symbolische Handlungen sind natürlich wichtig, und dem schwedischen Fußballverband ist es wichtig, das zu unterstreichen, wofür wir stehen. Aber wir können nicht sämtliche Initiativen unterstützen.« Sjöstrand verweist darauf, dass der SvFF bereits mit der Organisation »Civil Rights Defenders« zusammenarbeite.

EU-Parlamentarierin Hedh hofft dennoch, dass sie den politischen Kräften im WM-Gastgeberland weiter auf den Schnürsenkel gehen kann: »Dadurch, dass die Weltmeisterschaft in Russland ausgetragen wird, hoffen wir, dass man auf die Situation homosexueller Menschen dort aufmerksam wird«, erklärt sie und sieht die Aktien ihrer Kampagne sprunghaft gestiegen: »Ich hoffe, dass die schwedischen Spieler diese feinen regenbogenfarbenen Schuhbänder zumindest mal während des Trainings oder privat tragen, um zu demonstrieren, dass sie für die Rechte von Homosexuellen aufstehen.«

Gute Argumente

Nationalcoach Andersson betont, er sei sich der großen gesellschaftlichen Verantwortung seines Teams durchaus bewusst: »Man kann ja nicht sagen, dass Sport und Politik überhaupt nicht zusammenhängen. Wir sind auch nur ein Teil des Ganzen«, philosophiert der 55-Jährige. »Und wir sind alles in allem eine große Strahlkraft, denke ich. Aus diesem Grunde treffen wir ja auch Nationalmannschaften anderer Länder und nehmen an diversen Turnieren teil, damit der Sport Positives bewirken kann.«

Manchmal lohnt es sogar, sich im Kampf für das Gute mit den internationalen Verbänden anzulegen. Als Schwedens Frauenfußball-Klub FC Rosengard 2016 einen Regenbogen ins Trikotdesign integrieren wollte, stieß man auf erheblichen Widerstand seitens der UEFA. Doch der Verein aus Malmö ließ sich vom Kontinentalverband nicht einschüchtern, wie der damalige Präsident Klas Tjebbes gern erzählt: »Ich schrieb den Herren von der UEFA einen sehr höflichen Brief und habe wohl gut argumentiert.« Das Trikot ging durch.