Schlechte Laune bei Real

Ärger im Zirkus

Vor dem Clasico ist die Stimmung bei Real schecht, die Spieler können nicht mit Trainer Benitez. Cristiano Ronaldo könnte es sogar zu einem Konkurrenten ziehen.

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Rafael Benitz hat ein Lieblingswort: equilibrio, Ausgeglichenheit. Damit erklärte der Trainer von Real Madrid in dieser Saison die meisten Siege. Wenn das Team gewann, dann dank seiner Ausgeglichenheit. Die Balance stimme, alle würden ihren Anteil zum Erfolg einbringen, so Benitez. Keiner stehe über dem Anderen. Alle sind gleich.

In den spanischen Medien wird er für diese Sichtweise längst belächelt. Man muss nicht mal genau hinsehen um zu erkennen, dass Real Madrid in dieser Spielzeit alles andere als eine ausgeglichene Mannschaft ist. Der zweite Tabellenplatz in der Primera Division, das vorzeitige Erreichen des Achtelfinales in der Champions League und die wenigen Gegentore – all das ist ein wesentlicher Verdienst von Keylor Navas. Dass Real am Sonnabend nur mit drei Punkten Rückstand auf den FC Barcelona in den Clasico geht und mit einem Sieg die Tabellenführung zurückerobern könnte, hängt stark mit seinen ausgezeichneten Leistungen zusammen.

»Mit diesem Trainer gewinnen wir nichts«

Für einen Klub mit den Ansprüchen Real Madrids ist es nie ein gutes Zeichen, wenn nach einem Drittel der Saison der Torwart als bester Spieler gilt. Erst recht nicht, heißen dessen Mitspieler Toni Kroos, James Rodriguez, Gareth Bale oder Cristiano Ronaldo. Dann läuft etwas schief. Findet auch Ronaldo. Den Schuldigen hat er längst ausgemacht: Rafael Benitez. »Mit diesem Trainer gewinnen wir nichts«, soll er Präsident Florentino Perez zugeraunt haben. Behauptet jedenfalls die Zeitung »El Confidencial«.

Zwischen Ronaldo und Benitez kriselt es seit dem ersten Trainingstag. Der Portugiese gibt sich erst gar keine Mühe, seine Abneigung gegen den Trainer zu verbergen. Regelmäßig hinterfragt und kritisiert er während des Trainings die Methoden und Übungen. Als Benitez einmal während eines Trainingsspiels den Schiedsrichter gab, machte Ronaldo oft abfällige Handbewegungen in dessen Richtung oder lamentierte. Eine Lippenleserin zitierte Ronaldo später mit den Worten: »Na klar, wieder gegen die Portugiesen«.

Auch andere Führungsspieler sollen sich längst beim Präsidenten beschwert haben. Vor allem über die verhältnismäßig defensive Spielweise, die der Trainer seiner Weltauswahl aufzwingt. Real hat mit 26 Toren zwar immer noch die meisten Tore in der Primera Division erzielt, aber was ist das schon, gemessen an den eigenen Superlativen? Zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren es 42 Treffer, die 26 nach 11 Spieltagen sind der niedrigste Wert seit der Saison 2007/08.