Schlägt die Stunde von Leon Goretzka?

Mehr, als den Deutschen lieb ist

Leon Goretzka war eine der Stützen im Team 2017. Vor einem Jahr stand er in vier der fünf Turnierspiele in der Startelf, als das Team der Namenlosen, beschwingt vom Blick aufs Schwarze Meer, das Publikum mit seiner erfrischenden Art begeisterte und sogar den Bundestrainer Joachim Löw in seinen Bann zog.

In dieser Woche ist die Mannschaft nach Sotschi zurückgekehrt - auch in der Hoffnung, dass die Stimmung des vergangenen Sommers wieder auflebt und die Leichtigkeit ins Team zurückkehrt. Die Frage ist, ob es reicht, wenn man statt auf Birken in Watutinki wieder in Sotschi aufs Meer blickt. Oder ob die Mannschaft nicht auch personell mehr Unbekümmertheit braucht, Begeisterung statt Routine.

Mittelfristig eine Größe im Nationalteam

»Es geht nicht darum: einer raus, einer rein«, sagt Khedira. Der Bundestrainer sieht das erfahrungsgemäß ähnlich: Seine Veränderungen werden deutlich dezenter ausfallen als allgemein erhofft. Über Goretzka als zweiten Sechser neben Toni Kroos dürfte Löw aber zumindest nachdenken. Der Schalker kommt, aus unterschiedlichen Gründen, eher in Frage als Ilkay Gündogan und Sebastian Rudy.

Bei Gündogan bestehen weiterhin Zweifel, ob er den Wirbel um sein Treffen mit dem türkischen Präsidenten ausblenden kann. Und der zierliche Rudy könnte gegen die kantigen Schweden vor allem körperlich im Nachteil sein.

Mehr, als den Deutschen lieb ist

»Ich finde Leon Goretzka einen tollen Spieler, mit einem guten Charakter dazu«, sagt Toni Kroos. Auch der Bundestrainer schätzt den Schalker: für sein Talent, seine Reife, seine Persönlichkeit, sein Tempo im Kopf wie in den Beinen. Schon für die WM 2014 berief Löw den damals erst 19 Jahre alten Goretzka in seinen erweiterten Kader. Angesichts seiner Fähigkeiten ist es keine gewagte Feststellung, dass er mittelfristig zu einer echten Größe im Nationalteam werden wird. Vielleicht sogar schon kurzfristig.

»Ich weiß auch, dass ich nicht zwingend einen absoluten Stammplatz habe«, hat Goretzka im Trainingslager gesagt. »Trotzdem wäre es die falsche Herangehensweise zu sagen: Ich guck erst mal.« Er wolle da sein, wenn er gebraucht werde, im Training das Niveau hochhalten und die vermeintlichen Stammspieler Stück für Stück zu Hochleistungen pushen. »In so einem Turnier ist eine unheimliche Dynamik in der Mannschaft«, sagt Leon Goretzka. Im Moment sogar mehr, als den Deutschen lieb ist.