Schalkes Planlosigkeit

... denn sie wissen nicht, was sie tun

Schalke 04 schmeißt Kevin Prince-Boateng raus. Der Fall zeigt die strukturellen Probleme dieses Vereins - und wirft kein gutes Licht auf Horst Heldt und Clemens Tönnies.

imago images

Die Schalker wussten, wen sie mit Kevin-Prince Boateng holen würden. Einen Spieler mit herausragenden spielerischen Qualitäten, der aber oft aufs Knie und selten auf den Mund gefallen war. Einen Spieler, den die Verantwortlichen als »charakterstark« bezeichnen, wenn sie es gut meinen, und als »verhaltensauffällig«, wenn sie es nicht so gut meinen. Nach einer starken ersten Saison wurde er vom Vereinsboss zum »Leuchtturm« der Mannschaft erkoren, dann wiederum taugte er viel zu oft nicht mal zum Teelicht.

Die Causa Boateng verdeutlicht so vieles, was auf Schalke falsch läuft. Der S04 verkommt zu einem Klub, der von Launen getrieben und mit Kurzsichtigkeit geführt wird.

Boateng, Fährmann, Fuchs - planlose Personalrochaden

Noch in der Hinrunde soll Trainer Jens Keller seinen Schützling Boateng fast flehentlich gebeten haben, auch trotz Verletzung beim Spiel gegen Chelsea durchzuhalten. Kellers Nachfolger Roberto di Matteo plante in der Rückserie mit Boateng im Angriff, begleitet von hymnischen Lobliedern. Dann folgte der katastrophale Auftritt im Derby gegen Dortmund, und Boateng wurde in der Folge nicht mal mehr eingewechselt.

Ein erfolgreicher Kurzauftritt gegen Stuttgart hievte ihn plötzlich wieder in den Anführer-Status und die Startelf, ein weiterer Katastrophenauftritt nur acht Tage später in die Freistellung. Messias oder Miesepeter – der ständige Rollenwechsel hängt mit der Person Kevin-Prince Boateng zusammen, aber auch mit Schalke.

Der Klub geht mit dem Personal nicht selten planlos um, das zeigt sich nicht nur bei Boateng. Ralf Fährmann wurde beispielsweise als Nachfolger von Manuel Neuer installiert, bevor der Verein ihm erst Lars Unnerstall und dann Timo Hildebrand vorsetzte. Als Fährmann sich doch durchsetzte, holte Schalke Fabian Giefer von Düsseldorf als potenzielle Nummer eins – und für den Fall, dass beide sich verletzten, sogar noch Christian Wetklo. Als sich dann beide verletzten, spielte Wetklo wiederum nicht.

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Christian Fuchs zum Beispiel, der sich im Sommer 2014 einen neuen Klub suchen sollte, war erst unersetzlich und dann wieder unerwünscht. Alles innerhalb einer Saison. Das Hin und Her in Bezug auf den Trainer Jens Keller dauerte gar fast zwei Jahre an.

Der Mannschaft fehlt die Balance - auf dem Platz und in der Kabine

Es gab sie tatsächlich, die sinnigen Transfers von Schalke – es war nicht alles schlecht, was Horst Heldt gemacht hat. Für den Kauf von Boateng gab es seinerzeit viel Lob der Konkurrenz. Doch der Manager hat es verpasst, eine gesunde Mischung zu finden, sowohl auf dem Platz als auch in der Kabine. Die Summe der »verhaltensauffälligen« Spieler war dann doch eine zu große Belastungsprobe fürs Betriebsklima.

Dem Team aus Hedonisten, Jungspunden und Einzelkönnern fehlt die Balance. Es ist ein Team, das gegen einen Drittligisten im Pokal ausschied, um dann gegen Bayern ungeschlagen zu bleiben. Das an der Stamford Bridge dem englischen Meister Chelsea ein Unentschieden abtrotzte, um dann gegen NK Maribor mit einem 1:1 eine blutleere Vorstellung folgen zu lassen. Das eine der miesesten Leistungen einer Schalker Mannschaft im Revierderby ablieferte - und dann auswärts bei Real Madrid 4:3 gewann. Die Auftritte waren selbst gemessen an der üblichen Schalker Launenhaftigkeit außergewöhnlich wechselhaft.