Schalkes Di Matteo in Maribor

Evolution des Zen-Meisters

In Maribor hat Roberto di Matteo Schalke ins Achtelfinale der Champions League geführt. Dort zeigt sich: Der Mann hat was.

imago images

Als die Sache gut ausgegangen und alles erledigt war, saß Roberto di Matteo in der umgebauten Turnhalle des Volksgarten-Stadions von Maribor und wirkte so, als hätte der Tag für ihn gerade erst begonnen. Man sieht dem Trainer von Schalke 04 ja sowieso selten an, ob seine Mannschaft gerade böse verprügelt worden ist oder sie einen großen Erfolg gefeiert hat. Immer sitzt die Krawatte wie gerade erst gebunden, die Weste unterm Jackett ist nicht verrutscht und die Schuhe blitzen frisch gebürstet. Auch nach einem Spiel der Champions League, eine knappe halbe Stunde vor Mitternacht. In der Welt des FC Schalke 04 wirkt der Italo-Schweizer damit in doppelter Hinsicht wie ein Exot. Einerseits ist in Gelsenkirchen gepflegter Chic keine unbedingte Selbstverständlichkeit, um es einmal vorsichtig zu formulieren, vor allem aber steht Di Matteos Stoizismus in dramatischem Gegensatz zur königsblauen Gefühligkeit, wo alles immer entweder ganz toll oder ganz schlimm ist.

Wobei für die Spiele in der Champions League dieser Saison beides gilt: Toll einerseits, dass Schalke das Achtelfinale erreicht hat, eher schlimm aber, wie das zustande kam. Zwei Siege gab es in den sechs Vorrundenspielen nur, wobei der über Sporting Lissabon lediglich dank eines völlig unberechtigten Elfmeters gelang. Und selbst wenn alle Schalker immer wieder beschworen, dass weder die Portugiesen noch Chelsea in Maribor gewonnen hatte, war am Ende in Maribor doch nur Maribor drin, wo Maribor drauf stand. Ein tapferer Außenseiter mit Mini-Stadion aus einer drittklassigen Liga, der seine Pressekonferenz in einer Turnhalle macht, wo man die Kletterwände mit langen Stoffbahnen in Vereinsfarben verhängt.

»Das war heute ein Sieg der Gruppe und gut für unsere Evolution«, sagte Roberto di Matteo. Nun hört man von Trainern selten, dass sie evolutionäre Prozesse vorantreiben wollen, aber vielleicht gelingt es dem Nachfolger von Jens Keller wirklich, einen solchen voranzutreiben. Nach gut zwei Monaten bei Schalke deutet sich jedenfalls an, dass er einigermaßen systematisch verschiedene Schwerpunkte abarbeitet. Mit dem Wechsel aufs 3-5-2-System hat er der Mannschaft ein praktikables System verpasst, oder wie Di Matteo selbst sagt: »In den letzten Wochen haben wir eine Grundbasis gelegt.« Deshalb wackelte Schalke beim 1:0-Sieg in Maribor abgesehen von zwei Momenten in der ersten Halbzeit und nervösen Schlussminuten kaum.