Schalke-BVB in der Spielanalyse

Das Derby mit den zwei Gesichtern

Doppelter Derbysieger: Wie bereits im Hinspiel legte der FC Schalke 04 das Fundament für den Derby-Sieg in der ersten Halbzeit. Die Dortmunder fanden erst nach der Pause ins Spiel. Das war mal wieder zu spät.

Was ist schon ein Champions-League-Finale? Im Ruhrpott gibt es sowieso nur zwei wichtige Spiele pro Saison: die Derbys gegen den verhassten Nachbarn. Und BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte nach dem Hinspiel einiges etwas gutzumachen: Die Partie verlor sein Team auch wegen eines missglückten Experiment mit einer Dreierkette, das Klopp anschließend auf seine Pöhler-Kappe nahm. Im Rückspiel setzte er also wieder auf die gewohnte 4-2-3-1-Formation, sein Gegenüber Jens Keller vertraute demselben System.

Schalke zieht das Spiel in die Breite

Die Schalker begannen die Partie risikoreicher und dominanter als es zu erwarten war. In der Anfangsviertelstunde schalteten sich fast alle blau-weißen Akteure in die Offensive mit ein. Vor allem die beiden Außenverteidiger Sead Kolasinac und Atsuto Uchida postierten sich hoch, auch Marco Höger ging oft nach vorne. Roman Neustädter sicherte dann nach hinten ab und fiel phasenweise zurück auf die Höhe der Innenverteidiger.



Mit der hohen Rolle der Außenverteidiger entwickelte Schalke eine enorme Breite im Angriffsspiel. Zudem schob Julian Draxler als Zehner stets auf einen der beiden Flügel, um dort Überzahlsituationen herzustellen. Schalke zog mit dieser Breite die Viererketten des BVB weit auseinander. Gegen Schalkes flügellastiges Spiel bekamen die Dortmunder lange Zeit keinen Zugriff. Der BVB rückt normalerweise weit auf eine Seite ein, um den Gegner zu doppeln. Die Schalker spielten jedoch clever und schafften es, den BVB erst auf eine Seite einrücken zu lassen, um dann mit einem Flankenwechsel die andere Seite zu entblößen.

Am besten funktionierte dies mit Spielverlagerungen von links nach rechts: Der Japaner Uchida spielte noch einen Tick höher als Kolasinac, sodass eine leichte Asymmetrie im Schalke-System entstand. Die Verlagerungen von links nach rechts boten sich regelrecht an. Und so war es kein Wunder, dass Schalke das 1:0 erzielte, nachdem man das Spiel von links nach rechts verlagert hatte. Draxler versenkte einen sehenswerten Angriff (12.).

Dortmund schwach im Gegenpressing

Nach dem Führungstreffer zogen sich die Gastgeber etwas zurück und pressten nicht mehr ganz so früh. Der BVB übernahm die Kontrolle über das Spiel, wusste aber nicht so recht, etwas damit anzufangen. Vor allem die fehlende Präsenz im Mittelfeld hemmte den amtierenden Meister. Da Mario Götze sich oft zurückfallen ließ, blieb das offensive Zentrum meist unbesetzt. Kevin Großkreutz und Jakub Blaszczykowski postierten sich hingegen zu breit bzw. zu hoch, sodass Dortmund nie ihr gefährliches Vertikalspiel durch das Zentrum aufziehen konnte. Stattdessen mussten sie oft mit langen Bällen arbeiten, Mats Hummels spielte diese jedoch meist zum Gegner. Nur einer seiner langen Pässe fand den Mitspieler.