Santi Cazorla hat seine zweijährige Leidenszeit beendet

636 Tage Schmerz

Weil ihm ein Großteil seiner Achillessehne fehlte, konnte Santi Cazorla über zwei Jahre kein Fußballspiel mehr bestreiten. Eine Geschichte, die zeigt, was passieren kann, wenn Ehrgeiz größer als Schmerz ist.

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Was geschah eigentlich am 19. Oktober 2016? An dem Tag schaute die Welt auf das dritte TV-Duell zwischen Hillary Clinton und, damals noch etwas belustigt ob der Chancenlosigkeit und tapsigen Antworten, Donald Trump. Portugal war gerade Europameister geworden und die ESA-Raumsonde ExoMars Trace Gas Orbiter erreichte nach siebenmonatiger Reise den Mars. Klingt weit entfernt? Ist es auch.

Schlag auf den Knöchel

Für Santi Cazorla begann an diesem Tag eine Leidenszeit, die erst in dieser Woche enden sollte. Seitdem wurde der Spanier achtmal operiert, verlor viele Freunde - und beinahe seinen rechten Fuß.

Zwischen Glück und Unglück trennen einen manchmal nur acht Zentimeter. Am 13. September 2013 stehen sich die spanische und chilenische Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Santi Cazorla, Spaniens Fußballer des Jahres 2007, zweifacher Europameister, war froh, dass er überhaupt auf dem Platz stand. Zum Kreis der spanischen Auswahl mit Iniesta, Xavi und David Silva gehörte. Deshalb spielt er auch weiter, als er einen Schlag auf den rechten Fußknöchel bekommt.

Immer noch Topleistungen

Erst nach dem Spiel folgt die Diagnose: Cazorla hat sich einen Riss im Knochen zugezogen. Eine vergleichsweise leichte Verletzung, er wird operiert, steht nach 35 Tagen wieder auf dem Platz. Doch die Schmerzen verklingen nicht. »Wenn ich warm wurde, konnte ich spielen, aber in der Pause, sobald ich etwas abgekühlt war, musste ich weinen.« Cazorla spielt unter diesen Bedingungen zwei Jahre durch. Immer wieder unter Schmerzen, immer wieder mit Schmerzmitteln. Geht schon irgendwie, ist ja nicht so schlimm, Trainer, ich mach’ mich erstmal warm.

Arsene Wenger, sein Klubtrainer beim FC Arsenal, lobte ihn 2015 als den besten Mann des Jahres. »Vom Anfang bis zum Ende war er absolut top«, sagte Wenger, weil Cazorla das Spiel dirigiere wie ein Orchester. Schon da steht der Spanier länger auf dem Trainingsplatz, trainiert seinen schwächeren linken Fuß. Weil der rechte immer mehr Probleme bereitet. Es muss ja weitergehen.