Saisonfinale in der Türkei

Süperspannend

Am Ende wird immer Galatasaray Meister – so lautet eine von vielen Verschwörungstheorien im türkischen Fußball. Was aber passiert, wenn Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mitspielt?

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Die Schusswaffe hat eine kleine Tradition im türkischen Fußball. Jörg Berger erzählte, dass er einst bei Verhandlungen mit einem Süper-Lig-Klub eingeschüchtert den Raum verließ, weil der Präsident aus heiterem Himmel seine Pistole auf den Tisch legte. Besiktas-Stürmer Gökhan Töre bedrohte seine Mitspieler Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak im Mannschaftshotel mal mit einer Waffe. Im vergangenen Winter feuerte Arda Turan mit einer Pistole in einem Krankenhaus einen Schuss ab. Und Christoph Daum, früher Trainer von Besiktas und Fenerbahce, berichtete in einem Interview mit 11FREUNDE, dass es zu seiner Zeit »absolut üblich« gewesen sei, wenn Klubmitarbeiter mit einem Revolver im Halfter zu Transfergesprächen erschienen.

Man kann also von Glück reden, dass Rizespors Präsident Hasan Kartal am vergangenen Samstag unbewaffnet zum Heimspiel gegen Tabellenführer Galatasaray kam. Nach dem Abpfiff schickte er folgende Worte an Schiedsrichter Serkan Cinar: »Wie kann so etwas passieren? Wieso tut uns so ein unbedeutender Kerl so etwas an? Er wird heute dieses Stadion nicht verlassen, das habe ich angeordnet. Hätte ich eine Pistole dabei, würde ich ihn im Stadion erschießen.«



Zumindest sein Unmut war zu verstehen, denn das Spiel verlief wahrlich bizarr. Referee Cinar gab in der regulären Spielzeit einen schmeichelhaften Elfmeter für Galatasaray (Mbaye Diagne traf allerdings nur den Pfosten) und stellte einen Spieler von Rizespor nach einem sehr normalen Zweikampf vom Feld. Trotzdem stand es nach 90 Minuten 2:1 für die Gastgeber. Nun wurden zwölf Minuten Nachspielzeit anberaumt, in denen sich Erstaunliches ereignete. Zunächst entschied Cinar erneut auf Elfmeter für Galatasaray, und diesmal verwandelte Diagne. In der 97. Minute dann traf der Senegalese sogar noch zum 3:2 für die Gäste aus Istanbul, die somit Platz eins verteidigen konnten und auf dem besten Weg zur nächsten Meisterschaft sind.

Alles wie immer also!

Beinahe jede Süper-Lig-Saison verläuft nach dem selben Schema. 18 Mannschaften spielen an 34 Spieltagen gegeneinander, aber am Ende werden immer Besiktas, Fenerbahce oder Galatasaray Meister. Und sollte es mal knapp werden, vor allem bei Galatasaray, dann helfen die Schiedsrichter ein wenig nach. So lautet jedenfalls eine beliebte Verschwörungstheorie in den Fankurven der anderen Klubs. Fakt ist: Seit Ligagründung 1959 wurde die Phalanx der großen Drei, Üc Büyük, nur von Trabzonspor in den siebziger und achtziger Jahren (sechs Meistertitel) und Bursaspor 2010 durchbrochen.

Alles wie immer also! Oder doch nicht?