Sahen wir das beste Barca aller Zeiten?

Überirdisch irdisch

Mit dem Auftritt im Finale der Champions League setzte sich der FC Barcelona ein Denkmal. Auch weil die Mannschaft sich den Sieg erst knüppelhart erarbeiten musste.

imago

Es war so überdreht und so würdig zugleich. Dass Gerard Piqué in aller Seelenruhe das Netz jenes Tores, in das seine Kollegen die beiden letzten, entscheidenden Tore zum 3:1-Sieg über Juventus Turin geschossen hatten, sorgfältig abschnitt und sich schließlich wie einen Schleier überhängte. Dass er und seine Mannschaftskollegen gar nicht aufhören wollten, diesen Sieg zu feiern und eine halbe Stunde nach Abpfiff immer noch vor ihren Fans herumtollten.

Dass Andres Iniesta und Javier Mascherano vor Beginn dieser Feierlichkeiten zu den Unterlegenen gegangen waren und jedem Spieler von Juventus Turin gratuliert hatten. Nichts Aufgesetztes war dabei gewesen, sondern einfach nur Respekt, wie er zu diesem großen Finale passte, in dem die Karriere von Andrea Pirlo bei Juventus Turin vermutlich zu Ende ging. Des großen Pirlo, den auch die Fans von Barcelona in Sprechchören feierten, als er die Silbermedaille erhielt und der seinerseits unten auf dem Rasen den Siegern applaudierte. Mit Tränen in den Augen.

Altmodischer Sportmanship

Diese Feier von altmodischer Sportmaship, von Klasse und von überbordenden Gefühlen adelten eines des besten Endspiele der Champions League in den letzten Jahren. Deshalb mag es auf den ersten Blick wie eine willkürliche Frage erscheinen, ob dieses Barcelona das beste aller Zeiten ist. Zumal der FC Barcelona der Ära Guardiola bewunderungswürdig war und uns staunen ließ, wie wir das nie zuvor getan hatten.

Er schien wahlweise von einem anderen Stern zu kommen oder ein Evolutionssprung des Fußballs zu sein, vor allem beim unglaublichen Finalsieg 2011 in Wembley über Manchester United. Aber es wurde irgendwann auch steril, die endlosen Ballstafetten wirkten wie eine Versuchsanordnung, die die Überlegenheit einer Idee beweisen sollten. 

So ein Sieg war dieser im Berliner Olympiastadion über Juventus Turin nicht. Er war keine Demonstration, aber die Mannschaft des FC Barcelona von heute, die des nicht längst so charismatischen Luis Enrique, muss man deshalb umso mehr lieben, wenn man nur ein wenig Sinn für Fußball übrig hat. Denn ihr Spiel hat Herz.