Sächsischer Fußballverband verbietet Sponsor

In Bautzen nichts Neues

Der Kreisoberligist SV Bautzen darf auf seinen Trikots nicht für ein rechtes Kleidungsgeschäft werben. Das hat der Sächsische Fußballverband entschieden. Ein positives Signal. Doch die Neonazi-Verstrickungen im Ort sind trotzdem Anlass zur Sorge.

facebook.com/SVBautzen / 11FREUNDE

Majestätisch thronen die weißen Renaissancegiebel der Orthenburg über der Bautzener Altstadt, die von der Sonne beleuchteten Kreuze auf den beiden Kirchtürmen erstrahlen in hellem Gold. Am Fuße der alten Stadtmauer, von den rotgeziegelten Dächern der mittelalterlichen Häuser gesäumt, bahnt sich die Spree ihren geschwungenen Weg um den pittoresken Stadtkern der sächsischen Kleinstadt.

Hach, könnte es schön sein, hier in Bautzen, der mit rund 40.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt der Oberlausitz. Genau, »könnte«. Konjunktiv II. Irrealis. Denn in der jüngeren Vergangenheit machte das politische und kulturelle Zentrum der Sorben vor allem Schlagzeilen als rechtes Nest. Und das leider zu recht.

Eine brennende Unterkunft und Hetzjagden auf Geflüchtete

Etwa zwei Kilometer südöstlich des Stadtkerns liegt das ehemalige Hotel »Am Husarenhof«. Als im Zuge der sogenannten »Flüchtlingskrise« Zehntausende auf der Flucht nach Deutschland kamen, sollten 600 von ihnen hier untergebracht werden. Kurz vor dem Einzug im Februar 2016 brannte der Dachstuhl, das Haus war unbewohnbar. 

Schaulustige zeigten »unverhohlene Freude«, notierte die Polizei, ein Dachdecker kommentierte die Folgen des Brandes in einem selbstgedrehten Handyvideo mit »Kameraden, Sieg Heil. Gute Arbeit geleistet«. Die Verursacher sind bis heute nicht gefunden. Die Geflüchteten zogen in andere Unterkünfte in der Stadt ein. Und im Herbst machten zwei Mal bis zu 80 Rechte nach gegenseitigen Provokationen Jagd auf überwiegend junge, männliche Geflüchtete, hetzten sie über mehrere Kilometer durch die Stadt. Im Dezember verfehlten mehrere Molotow-Cocktails nur knapp das ehemalige Spreehotel, das heute als Unterkunft dient.

Der Vize-Landrat Bautzens, Udo Witschas (CDU), traf sich mehrfach mit NPD-Funktionären. Später wurde öffentlich, dass er auch Insider-Infos an den Ex-NPD-Kreischef weitergab. Zusammenarbeiten mit Neonazis? In Bautzen kein Einzelfall, wie der SV Bautzen beweist. Und damit zum Fußball.

Ein rechtes Kleidungsgeschäft als Trikotsponsor

Am 9. November 2017 veröffentlichte der Kreisoberligist auf seiner Facebookseite ein Foto. Darauf: die erste Mannschaft in neuen Trikots mit der Aufschrift »NRDLND«, die erste Reihe hält ein Transparent mit dem selben Logo und den Zeilen »O-Lausitzer Store«, sowie »Street & Sportswear« in der Hand. Der SV Bautzen hatte einen neuen Trikotsponsor gefunden.

An sich keine große Nachricht, würde der NRDLND-Shop nicht »Street & Sportswear« von einschlägigen rechten Marken wie der Bautzener Yakuza, von Label23 oder Thor Steinar vertreiben. Letztere ist in vielen Fußballstadien, im sächsischen Landtag und im Bundestag verboten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Post ausgerechnet an einem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus veröffentlicht wurde.

Ebenfalls mit der Mannschaft auf dem Foto ist Markus Rose, Inhaber des O-Lausitzer Store und damit neuer Hauptsponsor des SV Bautzen. Rose ist kein Unbekannter. Im Gegenteil. In der Vergangenheit trat er bei verschiedenen Neonazi-Aufmärschen in Erscheinung, er spielt in einer National Socialist Black Metal-Band und bewegte sich im Umfeld der Kameradschaft Sturm 24. Die ist dem internationalen Neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« zuzuordnen und wurde vom Verfassungsschutz beobachtet.