Rückrundenvorschau (2/3)

Die grauen Mäuse der Bundesliga

Freitag werden wir endlich von den Qualen der fußballfreien Zeit erlöst, denn die Bundesliga startet. Vorab werfen wir einen Blick auf den Zustand der Bundesligisten vor dem Rückrundenstart. Heute: die grauen Mäuse.

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FSV Mainz 05
Bundesliga: Platz 12
DFB-Pokal: Aus in der 1. Runde
 
Transfers:
Es kamen: Christian Clemens (Schalke 04), Pierre Bengtsson (FC Kopenhagen), Nicolás Castillo (Brügge)
Es gingen: Philipp Wollscheid (Stoke City), Julian Koch (St. Pauli)
 
Das ist außerdem neu:
Da jammern die vermeintlichen Größen der Liga, dass sie wegen der Turniere auf so viele Stammkräfte in der Vorbereitung verzichten müssen, doch Mainz 05 musste in diesem Winter gleich drei Spieler abstellen: Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo für Südkorea sowie Shinji Okazaki für Japan fehlten wegen des Asien-Cups im Trainingslager, Letzterer verletzte sich sogar noch und ist für den Rückrundenauftakt fraglich. Damit nicht genug: Mainz beschäftigt laut »Bild« der unheimlichste Kapitäns-Fluch der Liga, alle Spielführer plagten nacheinander gesundheitliche Malaisen. »Wer die Binde trägt, muss leiden«, hieß die Schlagzeile und versetzte wohl neben den Mainzern noch die PR-Berater von »always« in helle Aufregung.

11FREUNDE-Prognose:
Die Mainzer waren sprunghafter als die Gewichtsklassen von Joschka Fischer. Erst das Aus in Pokal und Europacup, dann ein beeindruckender Start mit acht ungeschlagenen Auftritten, dann neun Spiele ohne einen einzigen Sieg. Keine Frage: Trainer Kasper Hjulmand will den Jojo-Effekt seiner Mannschaft stoppen und arbeitete deswegen vor allem an den Torabschlüssen. In der Vorbereitung schenkte uns der smarte Däne dann gleich ein Bonmot: »Ich sage immer, es ist mit Stürmern wie bei einer Flasche Ketchup. Es ist schwierig am Anfang, aber wenn es kommt, dann kommt es.« Auch seine Schützlinge sind jetzt auf Klartext-Kurs: »Jetzt zählt: sofort Vollgas und alle Kappen auf Offensive«, sagte Johannes Geis der »AZ«. Inspiriert von so viel Motivationsreden tippen wir für die Mainzer einen souveränen Platz neun und fügen den Appell unseres Jugendtrainers mit an: »Männer, hinten löschen, vorne feuern!« 

1. FC Köln
Bundesliga: Platz 11
DFB-Pokal: auswärts in Freiburg
 
Transfers:
Es kamen:
Es gingen: Tomas Kalas (Chelsea/Middlesbrough)
 
Das ist außerdem neu:
Der Briefkopf des FC konnte endlich aufgebessert werden. Nach einem 3:2 gegen Fluminense sicherten sich die Kölner den international begehrten Florida Cup, der weiteren Trophäensammlung ist nun Tür und Tor geöffnet. Fans, die bei diesem Erfolg einen Autokorso starteten, gefiel auch: Antalya Cup, UI-Cup, Gazi Cup, Fuji Cup. Damit nicht genug der Titelsammlung. Der 1. FC Köln will nun auch offiziell als Karnevalsverein eingetragen werden und bat in einem Schreiben an das Festkomitee um die Aufnahme. Wer solche Sorgen hat, dem geht es prinzipiell nicht so schlecht: Tatsächlich verlief die Vorbereitung weitgehend geräuschlos - bis auf den verletzten Stürmer Patrick Helmes sind alle arrivierten Kräfte bereit für das Unternehmen Klassenerhalt. Hinzu kommen könnte noch Carlos Eduardo, der wohl der Versuchung nur schwer widerstehen wird, für den amtierenden Florida-Cup-Sieger aufzulaufen.

11FREUNDE-Prognose:
Köln bleibt drin, Halfar und Horn schaffen es auf Jogis Zettel. Das dürfte für einen Spontan-Karneval im Müngersdorfer Stadion reichen. Und laut »Kölner Stadt-Anzeiger« zählt der Norweger Bard Finne zu den Gewinnern des Trainingslagers. Wir sagen: Mit so einem Namen gehört er in jede Startelf der Welt. Neben dem Schweden Däne und dem Finnen Norweger.

SC Paderborn
Bundesliga: Platz 10
DFB-Pokal: Aus in der 1. Runde

Transfers:
Es kamen:
Es gingen: Viktor Maier (Aachen)

Das ist außerdem neu:
Der Aufsteiger hat zuletzt mehr Ausfälle zu beklagen gehabt als die 11FREUNDE-Redaktion während der betriebsinternen Weihnachtsfeier. Jüngstes Opfer: Marvin Ducksch mit einem Fußbruch. Da ist Verstärkung bitter nötig: Die Paderborner sind dran am Ex-Hertha-Kaiserslautern-Wolfsburg-Hoffenheim-Frankfurt-Stürmer Srdjan Lakic, der sich derzeit wieder in Kaiserslautern aufhält. Immerhin ist Lakic Torschützenkönig des DFB-Pokals 2011, in dieser Saison hat er bereits sechs Mal für den FCK geknipst. So hört man in diesen Tagen, wie Geschäftsführer Michael Born nachts durch die Räume des SC Paderborn tanzt und singt: » I am up all night to get some, I am up all night for good fun, I am up all night to get Lakic.«

11FREUNDE-Prognose:
Beinahe stündlich wartete die Fußball-Welt in der Hinrunde auf den Kollaps des SC Paderborn, doch Breitenreiters Elf tänzelte sich doch glatt auf Platz zehn. Und das trotz eines Trainingsplatzes auf »Schwimmbadniveau«, wie der Coach anmerkte. Bleibt die alles entscheidende Frage: Wie lange hält die Euphorie? Wir wissen spätestens seit unserer Dosenbier-Teenagerjugend, dass zu viel »Paderborner«-Genuss schwerwiegende Folgen haben kann. Trotzdem: Sie bleiben drin.