Rückrundenvorschau (1/3)

Die Sorgenkinder der Bundesliga

Freitag werden wir endlich von den Qualen der fußballfreien Zeit erlöst, denn die Bundesliga startet. Vorab werfen wir einen Blick auf den Zustand der Bundesligisten vor dem Rückrundenstart. Heute: die Sorgenkinder.

imago

Hertha BSC
Bundesliga: Platz 13
DFB-Pokal: ausgeschieden (2. Runde)
 
Transfers:
Es kamen: –
Es gingen: Hany Mukhtar (Benfica Lissabon)
 
Das ist außerdem neu:
Nicht viel. Wie die meisten anderen Bundesligisten haben auch die Berliner den Wintertransfermarkt mit großer Skepsis beobachtet. Dabei hat Jos Luhukay einige Ausfälle zu beklagen, neben dem Langzeitverletzten Alexander Baumjohann waren auch Tolga Cigerci und Änis Ben-Hatira längere Zeit verletzt. Michael Preetz sah dennoch keinen Handlungsbedarf: »Wir haben im Sommer viele neue Spieler geholt. Von denen sind wir überzeugt.« Immerhin erfuhren wir in der Winterpause, dass Julian Schieber seinen Fischen keine Namen gibt. Schade eigentlich.
 
11FREUNDE-Prognose:
Laut Jos Luhukay ist alles tiptop. »Wir haben in allen Bereichen Fortschritte gemacht«, sagte er neulich auf »rrb-online«. »Fabian Lustenberger und Sebastian Langkamp konnten voll mit der Mannschaft trainieren. Roy Beerens ist zurück. Dazu kommt das gute Wetter mit viel Sonnenschein und der Wärme. Das gibt den Spielern ein gutes Gefühl und erhöht den Spaßfaktor.« Laut den Testspiel-Ergebnissen schien der Spaßfaktor manchmal ein bisschen zu hoch zu sein. Hertha verlor gegen den Halleschen FC 1:3 und gegen die Young Boys Bern 3:5. Gegen Energie Cottbus reichte es gerade zu einem 1:1. Immerhin siegte die Mannschaft 1:0 gegen Thun. Weil das alles so aussagekräftig wie ein 2015er Horoskop in einer »Bravo Girl« von 1986, werfen wir den gesamten Kader einmal in die Luft, addieren alle Rückennummern, multiplizieren das Ganze mit 3 oder 5, subtrahieren vom Ergebnis alle Marktwerte und addieren schließlich noch die fünf Gegentore vom letzten Hinrundenspiel gegen Hoffenheim. Ergibt für das Ende der Saison: Platz 14. Glückwunsch!
 
Hamburger SV
Bundesliga: Platz 14
DFB-Pokal: ausgeschieden (2. Runde)
 
Transfers:
Es kamen: –
Es gingen: Tolgay Arslan (Besiktas)
 
Das ist außerdem neu:
Maximilian Beister. Im Januar 2014 hatte sich der Offensivspieler einen Riss des vorderen Kreuzbandes sowie einen Knorpel- und Meniskusschaden im linken Knie zugezogen. Am 15. Januar feierte Beister sein Comeback bei einem Testspiel gegen Eintracht Frankfurt, in dem er nach zwölf Minuten das 1:0 für die Hamburger schoss. Neu bzw. alt ist zudem der Stadionname. Im Januar verkündete Superfan und Edel-Mäzen Klaus Michael Kühne, dass er die Namensrechte des Stadions gekauft habe und das Stadion – die sogenannte Arena hatte den vergangenen 14 Jahren drei verschiedene Sponsorennamen – wieder Volksparkstadion heißen soll. Die Hamburger Fans lagen sich nach Bekanntwerden dieser Meldung freudig in den Armen, denn sie erinnerten sich natürlich nicht daran, als sich der HSV in den grauen neunziger Jahren vor 10.000 Zuschauern in eben jenem Volksparkstadion gegen Wattenscheid 09 oder Bayer Uerdingen in schöner Regelmäßigkeit blamierte, sondern an all die Deutschen Meisterschaften und Europapokalabende mit Kevin Keegan, Manni Kaltz und Uli Stein. Auch hier können wir nur sagen: Glückwunsch!
 
11FREUNDE-Prognose:
Man muss kein ausgewiesener Fußballexperte sein, um zu erkennen, woran es beim HSV hapert. Ein Blick auf die Hinrundenbilanz genügt: 17 Spiele, 9:19 Tore. Von einem echten Torjäger fehlt jede Spur. Pierre-Michel Lasogga hat bislang nur zweimal getroffen. Top-Scorer ist momentan Rafael van der Vaart mit drei Toren, davon allerdings zwei per Elfmeter. Die meisten Fans sehen die Sache natürlich positiv: Einerseits wird der HSV bei weiteren neun Toren in der Rückrunde nicht den Negativrekord von Tasmania Berlin (15 Tore) einstellen. Zum anderen hat der HSV momentan die viertbeste Defensive der Liga (nur Gladbach, Wolfsburg und der FC Bayern haben weniger Tore kassiert). Fußballexperten fordern bereits jetzt das Comeback von Innenverteidiger Heiko Westermann in der Nationalelf. Zu Recht.
 
VfB Stuttgart
Bundesliga: Platz 15
DFB-Pokal: ausgeschieden (1. Runde)
 
Transfers:
Es kamen: –
Es gingen: Raphael Holzhauser (Austria Wien)
 
Das ist außerdem neu:
Robin Dutt. Der neue VfB-Sportdirektor arbeitete in den vergangenen Jahren als Trainer bei Bayer Leverkusen und Werder Bremen – allerdings nicht gerade erfolgreich. Dutt gab neulich zu, dass er »tief im Freizeitmodus« gewesen sei, als VfB-Präsident Bernd Wahler ihn im Herbst anrief. Spätestens da dachte sich auch Christoph Daum, dass er sich mal wieder melden müsste. »Robin Dutt ist ein Lehrling«, expertete er, »ich bin skeptisch, ob das gut geht.« Auch einige Fans sehen die Verpflichtung mit gemischten Gefühlen entgegen:

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Andere Fans halt dagegen, schließlich sei Dutt ja mal bei den Stuttgarter Kickers tätig gewesen und von da kam fast immer nur Gutes (z.B. Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald, Karl Allgöwer). Außerdem ist Dutt ja in Schwaben aufgewachsen, was die Fans ebenfalls ein wenig in Verzückung versetzt. Allein: Für ein gemächliches Häusle-Häusle-baue fehlt beim VfB gerade ein bisschen die Zeit.
 
11FREUNDE-Prognose:
Der ehemalige Sportdirektor Fredi Bobic glaubt an den Klassenerhalt: »Huub Stevens schafft es«, sagte er am vergangenen Sonntag im »Sport1-Doppelpass«. Zumindest wenn man Ruhe in den Verein bekäme. Mit der ist es aber schon wieder vorbei, denn in den vergangenen Tagen berichtete die »Bild«-Zeitung über 1.) eine Rangelei zwischen Vadad Ibisevic und Martin Harnik, 2.) über ein Straftraining für Moritz Leitner und 3.) die unter Manipulationsverdacht stehende Partie gegen den albanischen Erstligisten KF Laci (5:0). Hier wurden angeblich besonders hohe Einsätze auf einen klaren Sieg des VfB abgegeben, im Spiel hätten die Albaner dann kaum verteidigt. Und sonst? Es gibt nicht viel, was die Fans derzeit positiv stimmen könnte: Der VfB hat in der Hinrunde 32 Gegentore kassiert, das zweitschlechteste Torverhältnis der Liga und bislang nur ein einziges Heimspiel gewonnen (1:0 gegen Hannover). Unser Orakel (»tief im Expertenmodus«) weiß dennoch: Der VfB rettet sich am vorletzten Spieltag auf den 16. Platz und siegt in der Relegation gegen RB Leipzig mit 1:0 nach Elfmeterschießen.