Rückblick auf Schweinsteigers Länderspiele

Weiter, immer weiter

Heute beendet Bastian Schweinsteiger nach 121 Länderspielen seine Karriere in der Nationalmannschaft – und wir glaubten, er würde ewig spielen.

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Manta, Manta
Deutschland-Ungarn 0:2
6. Juni 2004, Freundschaftsspiel
 
Es beginnt mit einer Erzählung, die sich anhört, als würde Opa vom Krieg erzählen. Mit Namen aus einer Nationalmannschaft vor unserer Zeit: Jens Nowotny, Christian Wörns und Fredi Bobic. Mit einem Trainer, der sich bei Waldi Hartmann wenige Wochen zuvor in Rage geredet hat: Rudi Völler. Mit Fans, die in ihren »Bier formte diesen Körper«-Shirts vor allem eines tun: meckern.
 
Etwas muss passieren, etwas Überraschendes. Also stehen am 6. Juni 2004 zwei Neue im Kader der DFB-Elf: Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger.
 
Der Boulevard ist begeistert, schließlich jagt er seit Monaten immer neue Super-Storys von den neuen Super-Bubis über seine Super-Titelseiten. Sie sollen die Gesichter eines Umbruchs sein, kesse Sprüche, blondierte Haare, bisschen »Manta, Manta«, bisschen Bravo-Starschnitt. Natürlich haben die beiden auch längst passende Spitznamen: Schweini und Poldi, was wiederum so klingt, als hätte Enid Blyton ein Sequel zu »Hanni und Nanni« geschrieben – mit zwei Jungs in der Hauptrolle.
 
Trotzdem oder gerade deswegen entsteht vor dem Spiel gegen Ungarn – eine Art Generalprobe vor der EM – ein bisschen Euphorie. Und weil das Spiel 50 Jahre nach dem WM-Finale von 1954 stattfindet, stellen die Journalisten bei der ersten Pressekonferenz allerhand Fragen dazu. Von Schweinsteiger wollen sie gar wissen, ob er überhaupt wisse, was es mit diesem »Wunder von Bern« auf sich habe. Er antwortet: »Das war doch das 3:2, mit dem Rahn, oder?« Während Podolski in die Kameras grinst und erklärt, dass ihn der Anruf von »Herrn Völler« sehr glücklich gemacht habe.
 
Das Spiel gegen die Ungarn – übrigens von Lothar Matthäus trainiert – geht 0:2 aus. Bei der EM in Portugal läuft es nicht besser. Deutschland scheidet in der Vorrunde aus. Schweinsteigers Bilanz nach den ersten vier Spielen: zwei Unentschieden, zwei Niederlagen.
 
Und dann kommt Jürgen Klinsmann.
 
Two and a half Goals
Deutschland-Portugal 3:1
8. Juli 2006, WM 2006, Spiel um Platz 3
 
Bei der WM 2006 macht Schweinsteiger im sogenannten kleinen Finale sein bis dato bestes Spiel im Trikot der Nationalelf. Und hinterher trauert so mancher Fan, dass Schweinsteiger nicht schon im Halbfinale gegen Italien von Beginn an spielen durfte.
 
Dem damals 21-Jährigen gelingt gegen Portugal nahezu alles. Das erste und das dritte Tor erzielt er per Fernschuss, beim 2:0, offiziell ein Eigentor von Petit, hämmert er einen Freistoß so hart auf den zweiten Pfosten, dass der Portugiese den Ball per Schienbein unhaltbar im eigenen Kasten versenkt.


 
Die SZ schreibt nach dem Spiel, Schweinsteiger habe zweieinhalb Tore erzielt. Die FAZ titelt: »Perfekter Abschluss für den Unvollkommenen«. Schweinsteiger sagt: »Meine wirklich großen Spiele hebe ich mir für später auf.«
 
Der Duft der Frauen
Portugal-Deutschland 2:3
19. Juni 2008, EM 2008, Viertelfinale
 
Eines dieser wirklich großen Spiele macht Schweinsteiger bei der EM 2008 in Basel. Wieder geht es gegen Portugal, wieder brilliert der Bayern-Spieler im Mittelfeld: Er schießt das 1:0 selbst und bereitet das 2:0 und 3:1 vor.
 
Trotzdem stellen die Journalisten immer häufiger Fragen, warum Schweinsteiger nicht konstant auf diesem Niveau spielt. Die Antwort: Es hängt alles mit den Frauen zusammen. Der »Bild« verrät er jedenfalls nach dem Spiel gegen Portugal: »Sarahs Liebe macht mich so stark.«
 
Apropos Frauen, während der EM in Österreich und der Schweiz jubelt der Boulevard noch über eine weitere Beziehung: Schweinsteiger und Angela Merkel kennen sich seit der WM 2006, richtig gefunkt hat es aber zwei Jahre später erst im EM-Gruppenspiel gegen Österreich. Der Spieler muss bei der Partie pausieren, weil er gegen Kroatien wegen einer Tätlichkeit vom Platz flog.



Also sitzen Schweini und Angie auf der Tribüne und unterhalten uns angeregt. »Über was denn?«, fragen die Journalisten nach dem Spiel investigativ nach. Und dann packt Schweinsteiger aus: »Sie hat mir gesagt, was ich tun soll – jetzt ehrlich. Sie hat gesagt, dass ich nicht wieder so Dummheiten machen soll und dass ich so spielen soll wie damals, wie bei der WM 2006. Und wenn die Frau Bundeskanzlerin was sagt, dann muss man das tun.«