Ronny Kockel, erster deutscher Profi im Iran

Schafsblut bringt Glück

In Deutschland stagnierte die Karriere des Torhüters Ronny Kockel auf drittklassigem Niveau. Da schlug er einen Weg ein, den bis dahin noch kein deutscher Profi gegangen war: Er unterschrieb bei Paykan Teheran im Iran. Imago Dass seine Mitspieler nach dem Training den Gebetsteppich ausrollen, nimmt Ronny Kockel mittlerweile hin. Die Sache mit dem Schafsblut sei ihm aber doch komisch vorgekommen, sagt er. Wie selbstverständlich wateten seine Kollegen durch die Lache am Spielfeldrand. "Das sollte Glück bringen, also habe ich es auch getan", erzählt der 32-Jährige.

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Kockel hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Bräuchen und dem Aufeinandertreffen der Kulturen: Er ist der erste deutsche Fußball-Profi im Iran. Dort spielt er seit einigen Tagen beim Hauptstadt-Klub Paykan Teheran, das heißt: spielen tut er eigentlich noch gar nicht. "Hier herrscht das total Schneechaos, an Training oder ein Spiel ist nicht zu denken", sagt er.

Vergangene Woche saß er daher die meiste Zeit im Hotel, wo er die im schlechten Wetter steckengebliebenen Profis von Hansa Rostock traf. "Eine nette Abwechslung", meint Kockel. So könnte man auch sein Persien-Abenteuer nennen. Kockel hat sich für das Wagnis im November entschieden. "In Deutschland hatte sich für mich nichts ergeben", sagt er. Bei den Stuttgarter Kickers und Arminia Bielfeld II hatte Kockel in der Regionalliga gespielt, anschließend war er für Olympiakos Nikosia auf Zypern und den Oberligisten Eintracht Trier tätig, ehe er "auf der Straße stand".

"Alle waren supernett zu mir"

Dann kam die Anfrage aus dem Iran. Sein früherer Trainer Rainer Zobel, der beim größten iranischen Klub Persepolis Teheran tätig war, habe ihm zugeraten, erzählt Kockel: "Als ich eine Woche da war, um mir das mal anzusehen, waren alle super nett zu mir." Auch seiner Freundin Maike März, Handball-Torfrau beim Bundesligisten aus Trier, habe es gefallen - und Kockel blieb. Der Wechsel hat sich finanziell gelohnt, Kockel verdient mehr als bei einem deutschen Regionaligisten. Der Bietigheimer wohnt seit Montag in einem eigenen Appartment, die Rückrundenvorbereitung beim Tabellen-Sechsten stockt aber wegen des Wetters. Dennoch konnte sich Kockel schon ein Bild von den Kollegen machen. "Technisch sind sie alle klasse, taktisch gibt es aber Defizite", sagt er.

Auch die Kommunikation funktioniert. Der ehemalige Leverkusener Dariush Yazdani übersetzt ein wenig, den Rest erledigt Kockel "auf Englisch oder mit Händen und Füßen". Nur mit dem Namen des Trainers hat er noch kleinere Probleme. Auf die Frage danach zögert er kurz, ehe er dann doch "Samoel Darabinian, er ist Armenier", sagt: "Aber ich nenne ihn sowieso immer nur ´Coach´."

Kockel selbst hat sich im Iran längst einen Namen gemacht. "Die Menschen haben keine Berührungsängste. Die halten dir ein Handy vor die Nase und sagen ´Foto, Foto´", erzählt er.

Fußball ist Sportart Nummer eins, gleich zehn Blätter beschäftigen sich täglich mit dem populärsten Sport. Von der Politik, für die der Iran international Kritik erntet, bekomme er nichts mit, äußern will er sich dazu auch nicht. "Ich bin hier als Fußballer angestellt", meint er.

Sein Vertrag läuft bis zum Sommer, beide Seiten haben aber eine Option auf eine Verlängerung um zwei Jahre. Gut möglich, dass Kockel bald Unterstützung aus der Heimat bekommt. Sein Klub ist an seiner Freundin interessiert, sie soll die Handallerinnen verstärken. "Es ist nicht auszuschließen, dass das klappt", sagt er.