Roms neue Hoffnung: Nicolò Zaniolo

A Star Is Born

Nicolò Zaniolo verdreht Fußballitalien seit Wochen den Kopf. Seit gestern Abend ist er auch international bekannt. Dank zweier Tore und einem Rekord.

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»ZaniORO« titelte die Gazzetta dello Sport am Tag nach dem Champions-League-Abend des Nicolò Zaniolo. Denn der Abend gehörte dem Goldjungen vom AS Rom. Zaniolo ist 19 Jahre alt und stellte im Achtelfinalhinspiel gegen Porto einen Rekord auf: Seit gestern ist er der jüngste Italiener, der in der Champions League in einem Spiel doppelt traf.

Die Tore werden vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben. Dafür waren sie nicht schön genug. Beim 1:0 setzte sich Zaniolo nach Vorlage von Edin Dzeko gegen einen Gegenspieler durch, schoss ihm durch die Beine, an Iker Casillas vorbei ins Tor. Das Zweite war Glück. Wieder Dzeko, der Ball prallte gegen den Pfosten und vom Pfosten, sanft, aber nicht zu sanft, wie eine Ablage beim Warmmachen vor dem Spiel, vor Zaniolos Füße. Wie ein Wink des Schicksals, das Zaniolo, der erst seit ein paar Wochen in Italien ein Star ist, zuruft: »Komm, heute Abend machen wir dich international bekannt!«

Zaniolo riss die Arme in die Luft, rannte zur Curva Sud und das Olimpico rastete aus, wurde zu einem gelbroten Freudenmeer.

Es ist davon auszugehen, dass sich die Verantwortlichen von Inter Mailand sehr darüber ärgern. Als sie Radja Nainggolan im Sommer vom AS Rom verpflichteten, sagten sie nämlich noch: Wisst ihr was, nehmt ihr doch noch diesen Zaniolo! Nicolò Zaniolo war da ungefähr 4,5 Millionen Euro wert und die Roma dachte nicht lange nach, sondern sagte: Va bene! Ok. 

Die Sterne stehen gut für Zaniolo

Alle rechneten damit, dass Zaniolo beim AS Rom lange auf der Bank schmollen würde. Doch es lief für ihn, wie es eben manchmal läuft im Leben, wenn sich das Eine mit dem Anderen fügt und man ein Superstar wird. Strootman weg, De Rossi oft verletzt und der Platz im Mittelfeld viel frei. Zaniolo spielte und er spielte erstaunlich souverän. Selbstbewusst, körperlich, auffällig und kraftvoll. Dann schoss Zaniolo auch noch sein erstes Tor in der Serie A. Er flitzte in spitzem Winkel auf das Tor des Gegners, Sassuolo, zu und dann passierte es: Torwart und Abwehrspieler fielen um. Sie stolperten, rutschten, oder warfen sich einfach nieder vor ihm. Zaniolo lupfte, der Rest war Freude.

Zaniolo ist ein Kraftpaket. Fast 1,90 Meter groß, wuchtiger Schuss, elegant in den Bewegungen, Tattoos auf Unterarm und Oberschenkel und auch sonst sehr lässig. Wer jung ist und bei Rom spielt, wird zwangsläufig verglichen mit einer Ikone des Klubs. Nationaltrainer Roberto Mancini erwähnt den Namen Totti dankenswerter Weise nicht. Er sprach kürzlich über Zaniolo und sagte, dass dieser ihn an Paul Pogba erinnere.

»Der neue Stern unseres Fußballs« heißt der Text in der Gazzetta dello Sport zum Champions-League-Abend von Nicolò Zaniolo. In Italien hatten sich viele, nicht nur Roma Fans, die vergangenen Wochen gewünscht, dass dieser Junge eine großartige Karriere vor sich haben möge. Alles sieht danach aus, die Sterne stehen gut für Nicolò Zaniolo.