Roms El Shaarawy trumpft auf

Der Pharao ist zurück

Stephan El Shaarawy galt als Top-Talent, doch seine Karriere drohte zu scheitern. Nun überragt er beim AS Rom – auch weil er dort nicht der einzige Pharao ist.

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Die Hereingabe von Ervin Zukanovic ist nicht ideal. Halbhoch und vom Tor weggezogen segelt der Ball in der 48. Minute der Partie des AS Rom gegen Frosinone Calcio von links in den Strafraum, wo Stephan El Shaarawy von mehreren Verteidigern umzingelt ist. Mit einer perfekt getimten Bewegung zum Ball verschafft sich der Stürmer einen kleinen Vorsprung vor seinem Gegenspieler und zirkelt den Ball mit der Hacke zur 2:1-Führung ins kurze Eck. El Shaarawys Traumtor leitet nicht nur den Sieg gegen Frosinone, sondern auch eine Siegesserie des AS Rom in der Serie A ein, die seit mittlerweile sieben Spielen anhält.

Noch wenige Tage zuvor hatte vieles dafür gesprochen, dass Stephan El Shaarawy ein erneut enttäuschendes halbes Jahr bevorstand. Der 23-Jährige, der in Italien in Anlehnung an seinen ägyptischen Vater den Spitznamen "Il Faraone" - der Pharao - erhielt, war vom AC Mailand an den AS Monaco verliehen, wo er in einer guten Hinrunde 24 Spiele bestritt. Den 25. Einsatz allerdings verhinderten die Monegassen: Damit wäre eine Klausel für die feste Verpflichtung in Kraft getreten. El Shaarawy, der somit weiterhin an den AC Milan gebunden war, sollte sich also im Januar einen neuen Verein suchen - oder die Rückrunde von der Tribüne aus verfolgen.

Milan - doch keine große Liebe

Der junge Italiener, dem einst eine große Karriere vorausgesagt wurde, war scheinbar erneut gescheitert. Schon beim AC Mailand hatte man im Sommer 2015 nicht mehr auf seine Talente vertraut, zu groß sei seine Verletzungsanfälligkeit und zu eigentümlich sein Charakter. Um El Schaarawy ranken sich seit jeher einige Geschichten: angeblich soll er sein penibel abrasiertes Seitenhaar aufheben, für den Fall dass er im Alter eine Glatze bekommt. 2012 geriet er mit dem Ausspruch, er suche sich seine Freundinnen auf Facebook aus, in die Schlagzeilen. Für sein Auftreten außerhalb des Platzes gab es sogar Kritik aus der eigenen Mannschaft: Gennaro Gattuso sei sehr wütend gewesen, als er erfahren habe, dass seine Augenbrauen gezupft sind, gab El Schaarawy in einem Interview preis. 

Er blieb ein streitbarer Charakter, der nicht fußballerisch, sondern auch in Bezug auf seine Eitelkeit bei der Frisur mit Christiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic verglichen wurde - der AC ließ ihn letzten Endes ziehen. Dabei hatte es zu Beginn von El Shaarawys Karriere danach ausgesehen, dass er in Mailand seine große Liebe gefunden hatte.

»Es kommt selten vor, dass sich ein Spieler so schnell entwickelt«

2011 war er vom FC Genua zu Milan gewechselt, dem Verein, der lange Jahre von Kaka, El Shaarawys Vorbild, geprägt worden war, und dessen Rolle er früher oder später einnehmen sollte. Seine erste Saison im San Siro war gleichzeitig die letzte der großen Generation des AC, mit einem zweiten Platz in der Serie A 2012 verließen unter anderem Gattuso, Nesta, Inzaghi und Seedorf den Verein bzw. beendeten ihre Karriere.

El Shaarawy war neben Mario Balotelli und Mbaye Niang einer der Spieler, die für den verjüngten, aber weiterhin erfolgreichen AC Mailand stehen sollten. 2012/13 spielte der damals 20-Jährige seine beste Saison als Profifußballer. 16 Tore erzielte der Linksaußen in 37 Liga-Spielen, in der Champions League scheiterte er mit Milan erst im Viertelfinale am FC Barcelona. »Es kommt selten vor, dass sich ein Spieler so schnell entwickelt«, zeigte sich damals auch Trainer Massimiliano Allegri von seiner Saisonleistung beeindruckt.

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