Das volle Programm zur WM in Russland
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Roman Neustädter über Russlands WM-Aus

Die beste Motivation

Im vierten Teil seiner WM-Kolumne schaut Roman Neustädter zurück auf das unglückliche Ausscheiden seiner russichen Mannschaft und voraus auf das, was da noch kommt. Auch für ihn persönlich.

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Lesen Sie hier die ersten WM-Kolumnen: Teil eins, Teil zwei, Teil drei.

Das Spiel von Russland gegen Kroatien war ein echter Krimi. Wir hatten mit Fenerbahce gerade ein Testspiel absolviert, also habe ich das Spiel auf der Heimfahrt auf dem Handy geschaut. Ich war so nervös, dass mir das Handy ein paar Mal heruntergefallen ist. Russland war taktisch sehr gut eingestellt und hat es vor allem gegen Luka Modric gut gemacht: Er kam nicht oft in die gefährlichen Zonen.

So einen Spieler kann man aber nicht über die gesamte Spieldauer komplett ausschalten. An sich spielten wir sehr diszipliniert, haben nicht viel falsch gemacht. Was man als Einziges bemängeln kann: Nach dem Traumtor von Denis Cheryshev haben wir vielleicht zu schnell und zu einfach den Ausgleich kassiert. Auf diesem Niveau werden solche Kleinigkeiten direkt bestraft. Umso stärker ist die Mannschaft nach dem 1:2 zurückgekommen, da halfen die Fans im Rücken! Insgesamt war es meiner Meinung nach ein ausgeglichenes Spiel mit den besseren Chancen für Kroatien.

»Wow! Der hat Eier!«

Unser Trainer Stanislaw Tschertschessow hat wie ein Animateur an der Seitenlinie die Fans aufgeputscht. Genau so kenne ich ihn. Er ist ein sehr emotionaler Typ. Tschertschessow hat gemerkt, wie sehr die Spieler die Unterstützung von den Rängen brauchen. Die Fans haben bei dieser WM eine große Rolle gespielt. Ich sage: Ohne sie wäre Russland nicht so weit gekommen und nicht so selbstbewusst aufgetreten.

Dann kam es ins Elfmeterschießen – und das war auch nicht gut für meine Nerven und mein Handy. Fedor Smolov verschoss den ersten Elfer direkt mit einem Lupfer. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, was er da vorhatte. Vielleicht wollte er den Ball in die Mitte schießen und hat sich dann durch die Bewegungen des kroatischen Torhüters irritieren lassen. Aber ich mache ihm keinen Vorwurf; wenn der Torwart in die andere Ecke springt, sagt jeder: »Wow! Der hat Eier!«