Robinho vs. Schuster

»Er ist nicht mein Vater«

Um jeden Preis wollte Robinho Real Madrid in Richtung FC Chelsea verlassen – doch der Wechsel ist geplatzt. Nun attackiert der Brasilianer seinen Trainer Bernd Schuster heftig - trotz dessen Schlichtungsversuchen. Robinho vs. SchusterImago Der Auftritt des Robson da Souza alias Robinho war sorgsam inszeniert, selbst das Atuendo des kleinen, rebellischen Flügelstürmers von Real Madrid sorgsam gewählt. Im Gewande des urbanen Outlaws betrat der Brasilianer am Sonntagmittag den überfüllten Konferenzraum des Hotels Eurobuilding zu Madrid, in teurer, schwarzer Streetwear-Kleidung, den Schieber seiner Baseballkappe in den Nacken gedreht. Mühsam, aber bestimmt bahnte sich Robinho seinen Weg, es gab Gedränge, Geschrei, in einem Wort Chaos, das einer eilends einberufener Pressekonferenz nur angemessen war.

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Mehrmals versuchte Robinho anzuheben, doch das Klicken und die Blitze der Kameras ließen ihn immer wieder verstummen. Bis dann doch so etwas wie Ruhe eingekehrt war, und Robinho endlich sagen konnte: »Es ist alles unverändert. Ich habe dem Präsidenten (Ramón Calderón), den Vorständen, (Manager) Pedja (Mijatovic) und dem Trainer (Bernd Schuster) erklärt, dass ich weg will. Und der Presse sage ich es jetzt auch, zum x-ten Mal: Ich will hier weg.«

Dann blickte er in die Runde, als würde er auf Fragen regelrecht hoffen; je härter und kompromittierender, desto besser, um das Tischtuch mit Real Madrid möglichst unverzüglich, endgültig und effektvoll zu zerschneiden. Die Erde sollte brennen, es blieben ja bloß noch wenige Stunden bis zum Transferschluss in England.

Und die Erde brannte. Lichterloh.

Erstmals ging Robinho direkt auf Schuster los. Er allein sei Schuld, dass er, Robinho, noch nicht nach Chelsea wechseln durfte, alle anderen Stimmen von Belang hätten im Laufe der vergangenen Wochen irgendwann einmal ihre Einwilligung gegeben. Mijatovic, Präsident Calderón, sogar die Fans, die ihn nun einen geldgeilen Verräter rufen. In Chelsea soll Robinho dreimal so viel verdienen können: sechs Millionen Euro jährlich.

Tatsächlich hat Schuster nichts unversucht gelassen, um Robinho in Madrid zu behalten, zuletzt hatte er sich am Samstag für seinen brasilianischen Liebling verwandt. In einer Pressekonferenz sagte Schuster, dass der Brasilianer ein guter Junge, aber unfassbar schlecht beraten sei- von einem Manager, der nichts anderes im Kopf habe als eine millionenschwere Transfer-Provision. Er, Schuster, wisse hingegen, was gut für Robinho sei, »so wie ein Vater weiß, was gut ist für seinen Sohn.« Irgendwann werde Robinho schon verstehen, dass er, Schuster, Recht habe. Nach Lage der Dinge wird das noch dauern, zumal Schuster Robinho nicht für die erste Saisonpartie in La Coruña berief.

»Schuster ist nicht mein Vater!«, versicherte Robinho mit einer Standfestigkeit, die vermuten ließ, er habe für alle Fälle sein Erbgut untersuchen lassen: »Schuster ist bloß mein comandante. Und er wird mich zu nichts zwingen.« Dann folgten eine Reihe verkappter Drohungen. Wie es nun weitergehe? »Schuster wird schon wissen, was er davon hat, einen Spieler im Team zu haben, der mit dem Kopf bei einem anderen Verein ist.« Was, wenn Schuster ihn aufstellt? »Spiele ich eben unzufrieden.» Und wenn der Klub ihn auf die Tribüne setzt, weil sein Vertrag noch läuft? »Nehme ich das eben hin. Ich bin 24Jahre alt, jung, kann mich erholen.«

»Ich habe auch meinen Stolz«

All das hätte man sich nicht denken lassen, als Robinho vor drei Jahren erstmals in Madrid auftauchte. Die Medien apostrophierten ihn als den neuen Pelé, die Fans liebten seine Übersteiger. »Ich dachte, ich würde zehn Jahre in Madrid bleiben«, sagte Robinho. Und leitete dann her, warum der Bruch nun nicht mehr zu kitten sei. Seit Mai hätten sein Vater und sein Manager »tausendmal« um die Erhöhung seiner Bezüge gebeten.

Doch »Real Madrid war sich sicher, dass Cristiano Ronaldo von Manchester United kommen würde, also war mein Verbleib egal, wurde meine Vertragsverlängerung nicht verhandelt.« Mehr noch: Real habe ihm versichert, er dürfe bei einer guten Offerte wechseln. Chelsea habe ein gutes Angebot vorgelegt: 32 Millionen Euro. Doch weil der Ronaldo-Transfer geplatzt ist, habe der Klub nun anders entschieden. Robinho findet das gemein. »Ich habe auch meinen Stolz«, sagte er und verließ das Hotel.

Real wurde von Robinhos Auftritt in La Coruña überrascht, Stunden vor dem ersten Spiel der neuen Saison. »Inopportun« und »konzentrationsstörend« nannte ihn der Klub und erneuerte seine Ansicht, es stehe Robinho frei, seinen Vertrag einseitig zu kündigen. Um 21 Uhr erklärte Klubpräsident Ramón Calderón am Sonntag trotzig, die Personalplanungen seien abgeschlossen. Robinho bleibt, sollte das wohl heißen. Was Trainer Bernd Schuster denkt, ist ungewiss. »Ganz schön kalt hier«, sagte er, als er auf Robinho angesprochen wurde.