»Risikoverpflichtung« Johannes Geis verblüfft in Mainz

Meister der Diagonalpässe

Diese Beschreibung erinnert an Geis selber. Ähnlich wie Schweinsteiger agiert er oft als eine Art Quarterback. Durchschnittlich hat die Nummer sechs des FSV mit knapp 63 Ballkontakten die meisten pro Spiel, spulte mit 350,5 bisher nach Außenverteidiger Zdenek Pospech die meisten Kilometer ab und war an 135 Torschüssen beteiligt. Ebenfalls Spitzenwert bei den Mainzern.

Im Ligavergleich liegt Geis mit seiner Passquote zwar nur im oberen Mittelfeld, in den Kategorien »angekommene Diagonalpässe« und »Pässe zu einer Torchance« rangiert er allerdings unter den Top zehn.

»Die Mannschaft vertraut mir«

Dazu spricht Geis auf dem Platz Klartext. Dass diese Ansagen auch erfahrenere Kollegen wie Kapitän Nicolce Noveski oder Ekin Soto treffen, sieht er nicht als Problem. Es sei natürlich außergewöhnlich, wenn ein 20-Jähriger einem 35-Jährigen auf dem Platz sagen könne, wo es langgeht. Das funktioniere in Mainz aber, »weil die Mannschaft mir vertraut und wir einen echt starken Teamgeist haben«, so Geis. Ungewöhnliche Worte für einen jungen Spieler.

Geis darf sich diese Selbstverständlichkeit herausnehmen. Thomas Tuchel lobte zuletzt: »Mit seiner Energie, Wachheit und Überzeugung ist er extrem wichtig für uns. Er spielt wahnsinnig konstant auf hohem Niveau.«  Einzige Schwäche: die Torausbeute. Von seinen 53 Schussversuchen traf nur ein einziger das Ziel. Dagegen glänzte er schon sieben Mal als Vorbereiter.

Um die Torquote zu verbessern, schiebt er nach dem Training häufig Sonderschichten. Trainings-Kiebitze berichten, er bleibe dann oft allein auf dem Platz, um aus allen Lagen aufs Tor zu schießen oder in den leeren Strafraum zu flanken. Darüber hinaus analysiert er fast jede Woche mit Trainer Tuchel oder Co-Trainer Arno Michels im Videostudium Szenen des letzten Spiels. Ziel: Fehleranalyse. »Das hilft mir sehr, besser zu werden«, so Geis.

Tuchel sah ihn schon im DFB-Dress

Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Einige Experten brachten den Senkrechtstarter zuletzt schon als Kandidaten für die Nationalmannschaft ins Spiel. So weit ist es noch nicht, Bundestrainer Löw hat von einer Nominierung abgesehen. Auch im Kader des unbedeutenden Testspiels gegen Polen steht der Mainzer nicht. Thomas Tuchel kritisierte Löw öffentlich für diese Entscheidung. Geis habe »maßgeblichen Anteil an unserer tollen Saisonleistung«.

Auch wenn dieser Traum für Geis also vorerst nicht in Erfüllung geht, kann er sich in dieser Woche einen anderen erfüllen. »Ich bin Fußballer geworden, um weiter oben zu spielen. Die Europa League wäre schon ein Traum für mich«, so Geis. Am Wochenende kann er dieses Ziel mit seinen Mainzern perfekt machen. Mit 20 Jahren als Stammkraft in Europa. Würde das gelingen, wäre auch sicher Zeit, die Partyszene von Mainz unsicher zu machen.