Renato Sanches beim FC Bayern

Integrier dich!

Es hat zwei Jahre gedauert, doch jetzt wird Renato Sanches beim FC Bayern immer wichtiger. Dafür gibt es gute Gründe. Einer davon sitzt auf dem Trainerstuhl.

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Wer Renato Sanches bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich spielen sah, konnte sich sicher sein, gerade einen zukünftigen Weltstar auf dem Platz zu beobachten. Wie der »Edgar Davids von Musgueira« sich im Eins-gegen-eins behauptete, Verlagerungen einleitete und das Tempo im portugiesischen Spiel ankurbelte, hatte man von einem Achtzehnjährigen auf diesem Niveau schlichtweg noch nie gesehen.

Nicht umsonst wurde Sanches der jüngste Spieler, der in einer Ko-Phase bei einer EM getroffen hat, bester Nachwuchsspieler des Turniers und jüngster Europameister aller Zeiten. Der FC Bayern freute sich im selben Sommer über den Transfer eines Jahrhunderttalents. 

Ein Jahr später hatte er zwar immer noch die Dreadlocks, die in Kombination mit seinem Heimatort den Spitznamen ergeben, aber von Spielfreude war nichts mehr und der Portugiese überhaupt nur noch selten auf dem Platz zu sehen.

Als der FC Swansea Sanches auslieh, freuten sich die Waliser ihrerseits über ein Jahrhunderttalent, das nur ein wenig Vertrauen und Einsatzzeiten brauchte. Carlo Ancelotti wusste ihn nicht einzusetzen und überhaupt würde er mit seiner überragenden Physis ja besser in die Premier League passen. Am Ende der Saison erklärte »Wales Online« Sanches zu einer der »schlechtesten Verpflichtungen aller Zeiten«.


Dann kam Kovac

Bei seiner Rückkehr nach München vor der Saison gab Sanches dem vereinseigenen FCB.tv ein Interview. »Ich habe keine Schwächen. Ich bin stark«, zeigte er sich auch vom zweiten Rückschlag unbeeindruckt, was Eurosport noch vor Kurzem als »an Arroganz« grenzend deutete. Die könne sich Sanches in seiner Position nicht erlauben. Einer dieser Schnellschüsse, die viel zu häufig in Bezug auf junge, hochtalentierte Fußballer fallen und darauf zurückgehen, dass Fußballspieler nicht als Menschen wahrgenommen, sondern stattdessen mit unmenschlichen Erwartungen konfrontiert werden. Diese Diskussion ist an anderer Stelle besser aufgehoben, zu Renato Sanches sei dennoch so viel gesagt: Ein 18-jähriger Teenager aus schwierigen Verhältnissen, der seine Heimatstadt vorher nicht verlassen hat und ohne Vater in einem sogenannten »sozialen Brennpunkt« aufwuchs, wechselt nach einem halben Jahr Profikarriere auf dem Klimax des Hypes zu einem Champions-League-Anwärter mit starker Besetzung auf seiner Position. 

Unter diesen Bedingungen, die eine Karriere im Profifußball mit sich bringt, sollte man es Sanches als Stärke anrechnen, das Selbstvertrauen nicht verloren zu haben. Gut, dass sein neuer Trainer Niko Kovac das auch so sah.