Rechte Fans in New York

Auf Liga und Klubführung ist kein Verlass

Die Rolle von Fans im durchkommodifizierten Franchise-System der nordamerikanischen Fußballliga ist eine schwierige. Solange sie Choreos zeigen und Bilder produzieren, mit denen die MLS Werbung machen kann, ist alles gut. Doch die kleinste Grenzüberschreitung kann zum Ausschluss führen, wenn die Liga ihr Image in Gefahr sieht. 

Diese Grenzen legt der MLS-Fan-Verhaltenskodex fest. Darin stehen auch politische, beleidigende und bedrohende Sprache unter Strafe, »einschließlich rassistisches, homophobes, fremdenfeindliches, sexistisches oder anderweitig unangemessenes Verhalten.« Auf dieser Basis wurde im Yankee Stadium auch schon ein Banner mit der Aufschrift »No Hate« konfisziert. Gegen Rassisten im Stadion bleibt es aber scheinbar beim Lippenbekenntnis.

Vom Journalisten Jonathan Tannenwald auf die Berichterstattung der Huffington Post angesprochen, gab MLS-Commissioner Don Garber zu Protokoll, es handle sich nicht um Verhalten im Stadion, sondern Meinungen von Fans über andere Fans, wie dieser auf Twitter berichtete. »Unser Job ist es nicht, Fans zu beurteilen.« Angesprochen darauf, dass andere Fans sich eingeschüchtert und nicht sicher fühlen, verwies er lediglich erneut darauf, dass bei Fehlverhalten Konsequenzen gezogen würden. 

»Das sind alles verdammte Idioten«

Nicht zuletzt sollte auch das Franchise selbst und sein Mehrheitseigner, die City Football Group, ebenfalls Besitzer von Manchester City, Melbourne City und anderen Vereinen, ein Interesse daran haben, weite Teile seiner Fans nicht zu verprellen, indem es eine kleine Gruppe Neo-Nazis im Stadion toleriert. Denn deren Präsenz stößt mittlerweile immer mehr auf Widerstand: »Wir erreichen die Genug-ist-genug-Phase der Angelegenheit«, sagte ein Fan gegenüber der Huffington Post. Ein Lichtblick sei, dass die rechte Gruppe wohl nie das Potential von europäischen Hooligans erreichen würde. Denn: »Das sind alles verdammte Idioten.«

Die mangelnde Organisationsfähigkeit spielt ihren Gegnern zwar womöglich in die Karten. Doch dass Idiotie und rechte Gewalt sich eben nicht ausschließen, sollte ebenfalls bekannt sein. In einem Land, dessen innerpolitische Spannungen im Allgemeinen und dessen Präsident im Speziellen die sozialen Brandherde immer weiter anheizen, sollte man sich besser nicht auf das Versagen der Gegenseite verlassen. Auch in der MLS, diesem künstlichen, totalkapitalisierten Albtraum jedes Fußball-Traditionalisten, müssen Fans um ihren Raum im Stadion kämpfen. Wenn sie denn echte, meinungsstarke Fans sein wollen – und nicht nur Kunden.

Deshalb hoffen eben diese Fans jetzt auf Solidarität von der Zivilgesellschaft und anderen Szenen der Liga. Getreu dem altbekannten Motto: In den Farben getrennt, in der Sache vereint – gegen Neo-Nazis, Rassisten und Nationalisten in der Kurve. Denn auf Liga und Klubführung können sie sich offensichtlich nicht verlassen.