Rechte Fans beim Chemnitzer FC

Spuren bis in den NSU-Prozess hinein

Kameradschaftlich organisiert bekam die neue Gruppierung schnell überregionale Bekanntheit durch die Teilnahme an rechten Aufmärschen, auf die 2006 ein Stadionverbot und die Auflösung durch die Ultras folgte. Die »NS-Boys« gründeten sich aber neu und sind bis heute aktiv. Auf ihrer Facebookseite veröffentlichen sie wöchentlich Spielberichte mit Fotos, das Titelbild ziert ein Schal mit dem Logo der Gruppe, ein Hitlerjunge von einem Propagandaplakat aus dem Jahr 1933, und dem Schriftzug »Good Night Left Side«. 

2014 wurde bei einer Razzia im Vereinsheim der anschließend verbotenen Neonazi-Kameradschaft »Nationale Sozialisten Chemnitz« (NSC) eine Zaunfahne der NS-Boys gefunden. Im NSU-Prozess stellte sich heraus, dass ein hochrangiges NSC-Mitglied auch »NS-Boys«-Mitbegründer war. Überschneidungen soll es mit dem Chemnitzer Pegida-Ableger Cegida geben. 

Innenministerium stuft Fangruppen als rechtsextrem ein

2017 sollen Mitglieder der »NS-Boys« bei den gewalttätigen Ausschreitungen während des Spiels von Energie Cottbus in Babelsberg beteiligt gewesen sein, CFC- und Energie-Fans unterhalten seit Langem eine Fanfreundschaft. Durch das Stadionverbot konnten die »NS-Boys« bei ihrem eigenen Verein, der sich in der Vergangenheit deutlich von der Gruppierung distanzierte, aber nicht mehr auftreten.

Deswegen orientierten sich die Mitglieder im Stadion zu verschiedenen anderen Gruppen, bis zu deren Stadionverbot namentlich zum Beispiel »Kaotic Chemnitz«, die vom sächsischen Innenministerium als »rechtsextrem« eingeschätzt werden. Auswärts ist die Gruppe aber immer noch mit ihren Fahnen vertreten. Bei rechten Kampfsportveranstaltungen traten Kämpfer in der Vergangenheit im »Kaotic«-Shirt auf. Jene Gruppierung, die die gestrigen Ausschreitungen organisierte.


Auf den Tag genau 26 Jahre nach dem Ende der ausländerfeindlichen Pogrome in Rostock Lichtenhagen ziehen also rechtsradikale Hooligans und Ultras durch Chemnitz. Auch damals beteiligten sich Hooligans an den Ausschreitungen. In rechten Kreisen wird für den heutigen Montagabend erneut nach Chemnitz mobilisiert, vermutlich werden mehr Personen dem Aufruf folgen als gestern noch. Sehr wahrscheinlich werden aber wieder Anhänger des Chemnitzer FC unter ihnen sein.