Rechte Fans beim Chemnitzer FC

In Chemnitz haben Neonazis Tradition

Die Szenen von gewaltsuchenden rechten Fußballfans, die entfesselt und unkontrolliert durch die Stadt zogen, erinnerten teilweise an den Aufmarsch von »HoGeSa« (Hooligans Gegen Salafisten) im Oktober 2014 in Köln, bei dem sich die zwischen 3.000 und 5.000 anwesenden Hooligans wilde Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, Hitlergrüße zeigten und Gegendemonstranten angriffen.

Dass auch bei den jetzigen Ausschreitungen in Chemnitz rechte CFC-Fans maßgeblich beteiligt waren und sie sogar organisierten, verwundert wenig, wenn man sich die Fanszene etwas genauer ansieht. Beim DDR-Meister von 1967 haben Neonazis in der Kurve Tradition.

Neonazi-Tradition in der Fanszene des CFC

In den 90er Jahren gründete sich die Gruppe mit dem eindeutigen Namen »Hooligans Nazis Rassisten«, oder kurz »HooNaRa«. Deren Mitglieder sollen immer wieder an rechtsradikalen Übergriffen und Ausschreitungen beteiligt gewesen sein, wenn sie sich nicht gerade bei Ackermatches mit anderen Hools schlugen. Einem Mitglied wurde die Tatbeteiligung am Mord an Patrick Thürmer nachgewiesen, der 17-Jährige war 1999 nahe Chemnitz von Neonazis totgeschlagen worden. Laut Beobachtern vor Ort waren »ehemalige« HooNaRa-Mitglieder auch am gestrigen Aufmarsch beteiligt. 


(Screenshot facebook.com/kaoticchemnitz (Beitrag mittlerweile gelöscht)).


Ehemalig in Anführungszeichen, denn obwohl die Gruppe 2006 mit einem Stadionverbot belegt und 2007 offiziell aufgelöst wurde, sagte das sächsische Innenministerium noch 2013, sie trete nach wie vor »regelmäßig bei rechtsextremistischen Veranstaltungen der neonationalsozialistischen und subkulturellen Szene im Raum Chemnitz in Erscheinung«. Vor ihrer Auflösung war der Gründer von »HooNaRa«, Thomas Haller, mit seiner Sicherheitsfirma über Jahre für den Ordnerdienst im Chemnitzer Stadion verantwortlich. 

Ultra-Nachwuchs mit Kameradschafts-Verbindung: Die »NS-Boys« 

Die Chemnitzer Kurve bestimmen eigentlich die »Ultras Chemnitz 99«, die größte Ultra-Gruppierung des Vereins, die sich als unpolitisch bezeichnet, aber von Kennern der Szene zumindest als rechtsoffen eingeschätzt wird. 2004 gründete die Gruppe eine Nachwuchs-Abteilung mit dem wenig subtilen Namen »NS-Boys«, wobei das Kürzel NS nicht für Nationalsozialismus, sondern für »New Society« stehen sollte.