Rechte attackieren Duisburger Ultras

Gefahr von rechts im deutschen Fußball

Solidarität mit Braunschweig

Am Samstag beim Spiel zwischen dem MSV Duisburg und Saarbrücken entschlossen sich die Ultras, ein Transparent zu entrollen. »Täter-Opfer-Rolle vertauscht? Schäm dich Eintracht Braunschweig«, war darauf zu lesen. 

Die antifaschistische und linke Ultra-Gruppe aus Braunschweig war bei einem Auswärtsspiel in Mönchengladbach tätlich angegriffen worden. Eintracht Braunschweig hatte den Ultras wenig später untersagt, in Zukunft als Gruppe bei den Spielen aufzutreten. Der Verein hatte dies unter anderem damit begründet, dass die Gruppe Absprachen missachtet habe.

Dieses Spruchband, also die Solidarisierung mit den Ultras aus Braunschweig, empfanden die Mitglieder der anderen Duisburger Gruppierungen als »Bruch mit dem Friedensabkommen«. In der Halbzeitpause kam es zu Gewaltandrohungen gegenüber den Ultras.

Ein Banner als Vorwand?

Das Banner habe den Hooligans nur als Vorwand für einen Angriff gedient, meinen die Duisburger Ultras. »Hätte es das Spruchband nicht gegeben, hätte man woanders was reininterpretiert«, heißt es in der Stellungnahme. Die Gruppe rief Verein, Fanprojekt und alle MSV-Fans auf, den Worten von einer bunten Kurve Taten folgen zu lassen. 

Der Verein hatte sich noch unmittelbar vor den Vorfällen im Rahmen einer Aktionswoche gegen Rechtsextremismus und Gewalt positioniert. »Wir haben uns immer für ein Miteinander ausgesprochen, umso entsetzter waren wir über die Information, dass sich verschiedene MSV Gruppierungen untereinander geschlagen haben«, teilte der Klub nun mit. Der Fanbeauftragte des MSV, Christian Eilmann, war auf mehrfache Nachfrage nicht zu erreichen.

Eine andere Gruppierung namens »Proud Generation«, die laut »Kohorte« an den Angriffen beteiligt gewesen sein soll, schrieb in einer Meldung, dass »wenige vereinzelte Mitglieder« sich höchstens in unmittelbarer Nähe aufhielten, nicht aber handgreiflich geworden seien. »Nun versucht diese Gruppe uns scheinbar durch medialen Druck als Täter darzustellen«, heißt es weiter. Auch andere Gruppen werfen den Ultras vor, sie über die Presse ins rechte Umfeld zu rücken. Dabei bleibt der Eindruck, dass viele Duisburger Gruppierungen durch ihre Kritik an den Ultras (auch an ihrer Art des Supports) die Gewalttaten nachträglich rechtfertigen wollen.

»Die können hier machen, was sie wollen«

Der MSV Duisburg kündigte an, am heutigen Dienstag die Vorfälle vom Samstag zusammen mit der Polizei zu analysieren. Am kommenden Wochenende spielt der MSV auswärts in Stuttgart. »Da werden die Rechten wieder eine Gelegenheit suchen, drauf zu schlagen«, sagt ein Fan, der den Angriff am Samstag aus nächster Nähe erlebte. »Die können hier machen, was sie wollen. Die begrüßen die Ordner mit Shake-hands.« Wenn es so weiter ginge, würde er seine Dauerkarte auf der Geschäftsstelle vor den Augen der Funktionäre zerschneiden.

Rechte in 16 Standorten

Die Gefahr rechter Gewalt in deutschen Stadien wächst: Ältere Hooligans, die in den achtziger und neunziger Jahren aktiv waren, kehrten in den letzten Jahren wieder vermehrt in die Stadien zurück. Zudem bildeten sich bei vielen Vereinen so genannte »Ackerkämpfer«-Gruppen heraus, die mitunter rechtem Gedankengut mindestens offen gegenüber stehen. Rechtsradikale versuchen, die Stimmung in den Fanblöcken gegen Verbände und Polizisten für ihre Zwecke zu nutzen. Auch bei den Attacken in Duisburg sollen führende Köpfe der verbotenen rechtsextremen Gruppe »Nationaler Widerstand Dortmund« beteiligt gewesen sein.

Im deutschen Fußball kam es in jüngster Vergangenheit häufiger zu Angriffen auf links gerichtete Gruppierungen. Die »Aachen Ultras« stellten aus diesem Grund ihre Aktivitäten ein, auch in Bremen wurden linke Fans attackiert. 

Die Zentrale Informationsstelle für Sporteinsätze (Zis) geht in ihrem Jahresbericht in 16 Standorten der ersten und zweiten Liga von »einer teilweisen personellen Überschneidung« der Fanszene mit der rechten Szene aus – damit bei fast jedem zweiten Verein. Der »Anteil des rechtsmotivierten Potenzials« in den gewaltbereiten Szenen liege nach Angaben der Polizei aber unter fünf Prozent.

Doch der deutsche Fußball ist nicht nur von rechter Gewalt bedroht – in Duisburg und anderen Städten wurde sie Realität.