Reals Shootingstar Christopher Schorch

Das blonde Engelchen

Vor gut einem Jahr, als ihn in Deutschland noch kaum einer kannte, wechselte Christopher Schorch von Hertha BSC zu Real Madrid. Nun ist er auf dem Sprung in die Stammelf – und Superstar Raul zählt zu seinen Kumpels. Reals Shootingstar Christopher Schorch Imago Christopher Schorch hat mit 19 Jahren geschafft, wovon so mancher Fußball-Weltstar sein Leben lang träumt - er besitzt einen Profivertrag bei Real Madrid. Nach seinen überragenden Leistungen im B-Team der »Königlichen«, die als einziges Profiteam in Spanien noch ungeschlagen sind, soll der Abwehrchef spätestens in der nächsten Saison in die A-Mannschaft von Trainer Bernd Schuster rücken.

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Damit könnte Schorch Nationalspieler Christoph Metzelder verdrängen, der zurzeit schlechte Karten beim spanischen Rekordmeister hat und auch am Mittwoch nicht zum Real-Aufgebot für das Champions-Lague-Spiel gegen Juventus Turin stand. »Ich will nicht nur zweite Mannschaft spielen», sagt Schorch, der noch auf seinen ersten Einsatz beim spanischen Meister wartet: »Dafür hat mich Real auch ganz sicher nicht geholt!«

Respekt verschafft

Als Schorch 2007 nach zwei Bundesliga-Einsätzen bei Hertha BSC Berlin für eine Ablöse von einer Million Euro nach Madrid wechselte, konnte er sein Glück selbst kaum fassen. »In der ersten Woche habe ich mir erst einmal von allen Spielern Autogramme geholt«, berichtet der Innenverteidiger. Inzwischen trainiert der 189 Zentimeter große Abwehrspieler dreimal pro Woche mit allen Stars unter Schuster - und hat sich Respekt verschafft.

Schorch ist auf einem guten Weg, denn das Reserveteam Castilla gilt als Sprungbrett für junge Talente. Bevor Torhüter Iker Casillas und seine Mannschaftskollegen Raul und Guti den Durchbruch bei den Profis schafften, spielten sie ebenfalls dort. Heute ist das Trio beim »weißen Ballett« eine feste Größe und bringt es zusammen auf 202 Einsätze für die spanische Nationalelf.

Es verwundert nicht, dass vor allem die Stars Raul und Guti seine Hauptansprechpartner im Training sind. »Die beiden reden viel mit mir, nehmen mich auch mal auf die Seite und geben mir Tipps«, sagt der gebürtige Hallenser. Heimisch fühlt er sich bei Real auch wegen seiner beiden Landsleute Metzelder und Schuster. Wobei der »blonde Engel« inzwischen so lange in Spanien lebt, dass er fast als Einheimischer durchgehen könnte, zumal er fast nur noch spanisch spricht. »Ich glaube, das kann er inzwischen schon besser als deutsch«, sagt Schorch, der nach jedem Training zwei Stunden Sprachunterricht erhält.

Sein bester Kumpel ist allerdings Vize-Europameister Metzelder: »Mit Metze unternehme ich privat sehr viel.« In der Abwehr-Hierarchie könnte er den zumeist auf Bank oder Tribüne platzierten Kollegen allerdings bald verdrängen. Real hat Schorch mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, und wer den Deutschen vor Vertragsende verpflichten will, muss angeblich schon jetzt 20 Millionen Euro zahlen. Damit hätte Schorch einen ähnlichen Marktwert wie die Jungstars Bojan Krkic vom FC Barcelona und Nani von Manchester United. Der Wechsel Schorchs von Berlin zu Real Madrid war unter ungewöhnlichen Umständen abgelaufen. Der Anwalt des U20-Nationalspielers hatte Herthas Manager Dieter Hoeneß das Angebot eines Top-Klubs vorgelegt, ohne den Namen des Vereins zu nennen. Erst kurz vor Vertragsabschluss gab sich Real Madrid in einem Fax zu erkennen.

»Da ist einiges schief gelaufen. Aber die Sache mit Hertha ist für mich erledigt«, sagt Schorch, der in der Bundesliga gerade 16 Minuten Spielzeit zu Buche stehen hat. Neben Real Madrid sollen auch der FC Arsenal und der FC Chelsea aus London an dem Abwehrtalent interessiert gewesen sein. Nicht nur deshalb stehen die Zeichen auf eine ganz große Karriere wohl ganz gut.