Reaktionen zum offenen Brief von Reinhard Grindel

»Arsch auf Grundeis«

Der DFB macht einen Schritt auf die Fans zu, wenn es nach dem Brief von Präsident Reinhard Grindel geht. Fanvertreter und Vereinsverantwortliche haben sich geäußert.

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Das bundesweite Bündnis aktiver Fan- und Ultragruppen »Pro Fans« zeigte sich erstaunt über die Erklärung und bietet eine Mithilfe bei der Entwicklung eines Dialogs an. Das Bündnis macht in einer Pressemitteilung aber auch deutlich, dass die Gesprächsversuche der letzten Jahre gescheitert sind und sieht die Gründe dafür beim DFB.

Wörtlich heißt es: »Erstaunt haben die ProFans angeschlossen Gruppen die heute vom DFB veröffentlichte Erklärung seines Präsidenten Herrn Grindel zur Kenntnis genommen. ProFans stimmt der Aussage zu, wie wichtig die Fankultur mit all ihren sozialen Werten für den Fußball ist, und dass diese Erkenntnis einen Grund zum Umdenken gibt.

Die Abkehr von Kollektivstrafen sowie von Bestrafungen auf Grundlage von Vermutungen ist längst überfällig. (…) Nun endlich scheint die DFB-Spitze zu erkennen, dass der von ProFans Anfang 2016 auf den Tisch gelegte Vorschlag für einen Neuanfang eines Dialogs, der von Augenhöhe, Ernsthaftigkeit und Konstruktivität geprägt ist, dringend aufgegriffen gehört.

Der Einladung zur Arbeitsgruppe Fankulturen ist ProFans seither bekanntlich aus guten Gründen nicht gefolgt:

- In zehn Jahren des Fandialogs seit 2007 wurden nahezu keine Fortschritte im Sinne der Fankultur erreicht. Hinweise von ProFans-Vertretern über wachsende Unzufriedenheit und Zuspitzungen der Lage wurden nicht gehört.

- Hingegen haben die Verbände die Aushöhlung der 50+1-Regel hofiert, das Dikat des Kommerzes vorangetrieben und die Freiräume für Fans immer weiter beschränkt. Wichtige Entscheidungen wie die über die Einstellung der Gespräche zum sicheren Pyrotechnik-Einsatz, das Sicherheitspapier 2012 oder mehrere Verschärfungen der Stadionverbotsrichtlinie wurden vom DFB ohne Beteiligung des Fandialogs getroffen.

- Die in all den Jahren einzige konstruktive Einigung, nämlich über die Freigabe von Fanuntensilien, hatte der Vorsitzende der zuständigen DFB-Kommission, Große Lefert durch eine öffentliche Erklärung entwertet; danach wurde diese Initiative bis heute praktisch nicht umgesetzt.

- Die angebliche Wertschätzung aktiver Fans und Ultras wurde allzu oft durch gegenteilige Aussagen wie "Totengräber des Fußballs" ad absurdum geführt.

- Auch die 2016 installierte Arbeitsgruppe Fankulturen hat bis heute lediglich freundliche Fotos und unverbindliche Erklärungen produziert. (...)

Wenn jetzt ein Umdenken eingesetzt hat, begrüßt ProFans ausdrücklich einen Neuanfang eines Fandialogs, (…)

Es bedarf dazu einer neuen, höherrangig angebundenen Dialogstruktur, die die Vereine direkt mit einbezieht. Diese sollte jetzt unverzüglich gemeinsam entwickelt werden. ProFans bietet dafür die Mitarbeit an.

Aus der Fankurve äußerte sich unter anderem Andreas Wolf, Fanbeauftragter des Halleschen FC, der gegenüber dem MDR sagt: »Damit hat in den Fanszenen wohl kaum jemand gerechnet. Das ist auf jeden Fall das richtige Zeichen. Ich hoffe sehr, dass es bei den Ultras auch als solches ankommt und anerkannt wird.«

Das Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) fasst zusammen: »Interessant. Da geht wohl jemandem der Arsch auf Grundeis. Das hätte man natürlich auch einfach haben können. Ist ja nicht so, dass nicht Fanvertreter, Fanprojektler, Wissenschaftler bis hin zu Menschen innerhalb der Verbände nicht schon seit Jahren darauf hingewiesen hätten, dass Kollektivstrafen nichts bringen, sondern die Lage eher noch anheizen. Mal sehen, wie ernst es dem DFB jetzt damit ist…«

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