Reaktionen auf die »Spiegel«-Story

»Das Sommermärchen ist nicht zerstört«

Am Freitag ließ der »Spiegel« die Bombe platzen. Die WM 2006 soll gekauft worden sein. Eine Übersicht der Ereignisse.

imago

Freitag, 16. Oktober
Der »Spiegel« veröffentlicht erstmals die Meldung, dass bei der Vergabe der WM 2006 Bestechungsgelder in Millionenhöhe geflossen sein sollen.
-------
Kurz darauf weist der DFB die Vorwürfe als »völlig haltlose Behauptungen« zurück und behauptet, dass es keine schwarze Kasse während der WM-Organisation gegeben hätte. »Mit aller Konsequenz hält der DFB deshalb nochmal ausdrücklich fest, dass dementsprechend weder der DFB-Präsident noch die anderen Mitglieder des Organisationskomitees in derartige Vorgänge involviert sein oder davon Kenntnis haben konnten.«
-------
Der ehemalige Mediendirektor der Fifa, Guido Tognoni, meldet sich in einem Interview mit »Sky« zu Wort: »Ich bin überrascht, dass der DFB in so eine Sache hineingezogen wird. Ich kann es fast nicht glauben. Der Deutsche Fußball-Bund war für mich eigentlich immer ein Vorbild. Es wird interessant sein, wie der DFB die Zahlung an die FIFA begründet. Wenn sich das bewahrheitet, was der ›Spiegel‹ behauptet, dann müssen Köpfe rollen.« Gleichzeitig vermutet Tognoni, der heute als scharfer Fifa-Kritiker gilt, eine Kampagne, die sich gegen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach richtet.

Samstag, 16. Oktober
Fedor Radmann, der ehemalige Vize-Präsident des deutschen Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und enger Vertrauter von Franz Beckenbauer, bestreitet die auch gegen ihn gerichteten Vorwürfe via »Sky«: »Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden. Wir haben keine Stimmen gekauft.«
-------
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bezieht in einem Interview auf dfb.de Stellung: »Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine ›Schwarzen Kassen‹ beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat.«
-------
Willi Lemke, seit 2007 Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Sport, kann es sich »überhaupt nicht vorstellen«, dass die WM 2006 gekauft war und erklärt gegenüber »Sky«: »Wenn so ein Schatten über unserer wunderbaren WM liegt, das würde mich sehr, sehr traurig machen. Das würde mit Sicherheit ein kleines Erdbeben in unserem Verband, dem DFB, auslösen.«